Macbeth – zur Unkenntlichkeit entstellt

26. April 2008 | Autor: Manfred Kunz

William Shakespeare: »Macbeth«
Theater Ensemble Würzburg, Donnerstag, 24. April 2008

Für seinen freizügigen Umgang mit klassischen Texten der Theaterliteratur ist der Regisseur und Autor Wilfried Happel hinlänglich bekannt, auch über das Würzburger Theater Ensemble hinaus. Solide Kenntnis von Shakespeares »Macbeth« sollte also mitbringen, wer sich Happels jüngste Inszenierung auf seiner Würzburger Heimatbühne ansieht. Denn Historisierung und Kostümierung liegen Happel fern. Er hat Shakespeares Tragödie nicht nur radikal – auf zwei Stunden – gekürzt, sondern auch bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

Seiner Ablehnung jeglichen Illusionstheaters als angemessener Theaterästhetik der Gegenwart mag man wohl folgen wollen, beim konkreten Ergebnis seiner Interpretation des »Macbeth« auf der Bühne ist davon außer Trash nichts zu sehen. Die intendierte »Psychoanalyse eines (machtpolitisch ehrgeizigen)  Mörders« ist eine Behauptete, das Bühnengeschehen ist weder psychologisch noch feinsinnig. Stattdessen wird chargiert und grimassiert, dass es (k)eine Freude ist, wird gebrüllt und sprachlich geschludert, dass allein das Zuhören zur Qual wird. Dabei blitzt die Inszenierungsidee in manchen Augenblicken durchaus hervor: wenn Macbeths (Michael Völkl) destruktive Machtbesessenheit, angestachelt von Lady Macbeth (Ursula Hoede), ihn, den erfolgreichen und beim Volk beliebten Feldherren, zum kaltblütigen Königsmord treibt. 

Oder noch stimmiger, wenn die drei Hexen (Esme Koslitz, Tatjana Schnitzer, Franziska Wirth) als Huren zwischen aufreizender Laszivität und permanent zur Schau gestellter Sexualität als zentraler Antrieb männlicher Begierden ausgestellt werden. Doch fügen sich die in etlichen Details durchaus sichtbaren Bausteine der Inszenierung nie zu einem glaubwürdigen Ganzen. Was in der körperlichen und bildlichen Darstellung noch leidlich funktioniert, gerät auf der sprachlichen Ebene, ausgenommen sind hierbei nur Alexander Blühm als Banquo und Frank Uckermann als Macduff, völlig aus den Fugen.

Das wiegt umso schwerer, als Happel statt der für seine Interpretation weitaus geeigneteren zeitgenössischen Übertragung  von Thomas Brasch ausgerechnet die poetisch exaltierte Übersetzung von Dorothea Tieck aus dem frühen 19. Jahrhundert gewählt hat. An dieser romantisch aufgeladenen Sprache scheitert nicht nur Happels Sprachregie, sondern das gesamte Inszenierungskonzept. So bleibt nur der Respekt für ein Ensemble, das Engagement und Leidenschaft in ein höchst fragwürdiges Theaterunternehmen investiert hat. 


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