Lesung: Oliver Uschmann

23. Mai 2008 | Autor: Manfred Kunz

Kulturhaus Cairo Würzburg, Freitag, 16. Mai 2008

Das Hohenloher Land, genauer ein Ortsteil von Schrozberg, ist der Schauplatz der »Wandelgermanen«, des aktuellen Romans von Oliver Uschmann. Im Würzburger »Cairo« kam der gebürtige und leidenschaftliche Ruhrpott-Bewohner dem Ort des Geschehens so nahe wie noch nie bei einer Lesung.

Der Begriff »Lesung« war für diesen Abend allenfalls die halbe Wahrheit, denn Uschmann zelebrierte eine nahezu perfekte Indie-Pop-Bühnen-Literatur-Performance, die aus dem permanenten Wechsel zwischen Vortrag, erläuternden »Making-of«-Erklärungen und vom Laptop an die Wand projektierten optischen Illustrationen ihre Spannung bezog. Das war auch bitter nötig, denn seine beiden Hauptfiguren, »Hartmut und (der Ich-Erzähler)Ich« sind eher schlichte Gemüter und ihre Alltagserlebnisse, von denen auch in den »Wandelgermanen« dem dritten Teil der Erfolgstrilogie erzählt wird, von geradezu bizarrer Banalität. Aus der Diskrepanz zu dem, was unsereins für Wirklichkeit hält, entzündet sich mancher Witz, den Autor Uschmann gekonnt über die Bühne bringt. Zur Kurzweil tragen auch die netten Plaudereien bei, die der mit allen Strategien der postmodernen Literaturwissenschaft gewaschene, selbsternannte Pop-Literat zur Entstehung und den Hintergründen seiner Romane mitliefert. Großen Wert legt er darauf, die Solidität und Genauigkeit der Recherchen für seinen Roman zu dokumentieren: das für 8.000 Euro bei E-Bay ersteigerte, baufällige Bauernhaus, das die Bochumer 2-Paare-WG gekauft hat, das sie renovieren muss und in das sie ziehen will, gibt es wirklich. Und dass aus dem entstehenden Kontakt mit den ortsansässigen »Wandelgermanen« durchaus Animositäten und Spannungen entstehen, durchleben »Hartmut und Ich« mit überaus gemischten Gefühlen. 

Inhaltlich bleibt das Romangeschehen allerdings auf belanglosem Niveau und spiegelt so gleichermaßen das Dilemma des Autors, wie der toughen Groupies, die von der ortsansässigen Tageszeitung zur Berichterstattung auserkoren wurden: wer kein Anliegen bzw. keine Meinung hat, dem bleiben nur Ironie bzw. die Beschreibung der Oberfläche. Das mag über den Abend hinwegretten, doch schon am nächsten Morgen ist alles vergessen.

Da bleibt allein die Erkenntnis »Wenig Arbeit ist eine Illusion«, die Uschmann auf seinem T-Shirt vor sich herträgt und die fast als Dauerprojektion dem Publikum den Weg leuchten will – allein vergeblich was »kfoe« angeht. Und etwas mehr Illusionen würde Uschmanns  »Literatur« schon auch vertragen.

 


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