Seebühne unterm Weinberg

23. Juni 2008 | Autor: Joachim Fildhaut

25. Juli bis 17. August – Der Würzburger Hafensommer gibt uns den Glauben an die Kontinuität der Kulturgeschichte zurück. Außerdem kann sich das Programm inhaltlich sehen und hören lassen.

Experimente mit abgeschrägtem Wohlklang finden nur schwer eine Bühne. Veranstalter reden sich ein: Das wollen zu wenige hören, ist ein Geschäftsrisiko, da leg ich drauf. Und dann auch noch open air! Aber in diesem Sommer gibt es sie: wagemutige Musik unter freiem Himmel.

Jürgen Königer ist der Programmmacher des zweiten Würzburger Hafensommers. Der Mann betrieb früher in der Dominikanerstraße einen Plattenladen für außergewöhnliche Klänge, »Atahk« genannt. Außerdem veröffentlichte er auf dem Plattenlabel »Recommended No Man’s Land« Avantgarde aus New York, Prag und Provinz. Die Connections seines Teams bescherten dem AKW herz- und hirnzerreißende Konzerte, zuletzt an Sonntagabenden, dann versickerte diese Tradition. Königer steuerte in den vergangenen Jahren nur noch sporadisch Klangkünstler zum Rahmenprogramm des Internationalen Filmwochenendes bei.

2007 half er dann (inzwischen zum Kulturmanager ausgebildet), in wenigen Wochen den Jungfern-Hafensommer zu einer etwas rohen Perle des Würzburger Kulturkalenders aufzupolieren. Mit dem Nachfolgefestival ist er nun selbst zufrieden. Zu Recht. Als Cineast hat er den Filmspielplan des Hafensommers gekonnt umgestaltet, statt Hollywood-Aktualitäten einen Fellini-Klassiker-der-Moderne eingebracht und ein sensationelles Doppelpack: Andreas Dresens Sozialstudie »Halbe Treppe« mit dem Darsteller des Münsteraner Tatort-Kommissars, Axel Prahl, und mit dem Running Gag der Heavyfolktruppe 17 Hippies. Die denn auch am 4. August den ersten Teil des Abends bestreitet.

Kontinuität ergibt nicht nur Königers Veranstalter-Background. Auch der Hafensommer selbst hat schon seine eigenen jungen Traditionen gegründet. Es gibt bewährte Künstler von anno 2007, allerdings immer mit neuem Programm. Neuerdings wurde auf spielfreie Tage ganz verzichtet, das Festival auf drei Wochen konzentriert. Das spart ein bisschen Technik-Kosten (Miete, Bewacher), und dieses Geld wurde gleich in eine etwas größere Bühne investiert. Die muss schließlich zur Eröffnungsgala die Philharmonie des Stadttheaters gemeinsam mit der Jungen Philharmonie Würzburg fassen.

Ein paar persönliche Tipps des Autors:

26. Juli: Accordion Tribe. Fünf experimentierfreudige Quetschkommodianten. 

27. Juli: Würzburg Jazz Orchestra. Neu im Repertoire: Kompositionen vom Vienna Art Orchestra. 

1. August: Revue im Niemandsland. Die Rio-Reiser-Show aus dem Theater am Neunerplatz. 

2. August: Kammerflimmer Kollektief, Pubkulies & Rebecca. Die Quintessenz aller Krautrock-Strömungen und Post-Chansons.

3. August: Erika Stucky & Roots of Communication. Die Kult-Schweizerin vom ersten Hafensommer jetzt mit ganzer Band. 

4. August: 17 Hippies, Halbe Treppe. Siehe oben! 

10. August: Amarcord. Fellinis Heimatfilm über das Rimini der 1930er Jahre. 

14. August: Zeep. Londoner Independent-Musiker, gekonnt auf dem Brasil-Trip. 

15. August: Tanzkompanie des Gliwicki Teatr Muzyczny. Modernes Tanztheater, wie es auf Würzburgs festen Bühnen fehlt.

www.hafensommer.com


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