Design im Alltag (2)

24. Juni 2008 | Autor: Jochen Kleinhenz

Werbung und Typografie gehören zusammen wie Kain und Abel – nur daß es der Werbung trotz regelmäßigem Eindreschen auf die Typografie nicht gelingt, diese endgültig ins Jenseits zu befördern. Typografie ist zäh, und angesichts des folgenden möchte man sagen: Sie vermag nachzugeben, sich zu verbiegen, so gut es eben geht – wenn sie nicht schon mit grobem Vorsatz verbogen wird …

Und man mag sich gar nicht vorstellen, daß es tatsächlich Schriftentwerfer gibt, die sich monate-, manchmal jahrelang um Ausgewogenheit und Proportionalität ihrer Schriften mühen, ehe sie sie für ein paar Euro an Schrifthäuser oder Endnutzer lizenzieren.

Dazu ein Fallbeispiel: Unlängst konnte man mit steter Regelmäßigkeit (z. B. morgens um 8 Uhr) einen Linienbus in der Ludwigstrasse beobachten, dessen Heckscheibe die Werbung für einen Würzburger Karosseriebauer ziert:

Linienbus von hinten

Nun heißt es zuallererst: Hut ab vor dem pfiffigen Slogan und der intelligenten Verknüpfung von Text und Bild – »Autos, die so aussehen, gehören zu uns« – denn der Faltenwurf des Hundes illustriert quasi fabelhaft den unschönen Zustand gefalteter Knautschzonen.

Aber ist das wirklich Absicht, daß die Schrift (diese unpfiffige Standard-Serifenschrift daneben, als Träger des Slogans) ebenfalls so geknautscht wird? Oder konnte da jemand nicht widerstehen, die Zeichenbreite auf 50% (oder weniger) zu quetschen? Die Anordnung von Schrift(en) und Bild läßt eher Ahnungslosigkeit im Umgang mit Schrift vermuten, und so muß hier mit einem kleinen technischen Kniff der falsche Eindruck korrigiert werden (aus Platzgründen bitte ich um Verständnis, daß ich nicht in die Breite ziehe, sondern vertikal gegenstauche):

gegengestaucht: so gehörts

Sie sehen, daß nun der Slogan typografisch halbwegs stimmt, dafür sieht der Rest der Welt ziemlich bescheuert aus. Diese Erkenntnis läßt sich nun umgekehrt auf das erste, ungestauchte Foto übertragen: Da stimmt der Rest der Welt, lediglich die Schrift …


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