Die Stadt der toten Brunnen

18. Juli 2008 | Autor: Ulrich Pfannschmidt

Überall herrscht Überfluß. Waren, Bilder, Töne prasseln nieder. Sie reizen Nasen, Augen und Ohren. Versuchung allenthalben. Genuß und Kauf sind patriotische Taten, sind Bürgerpflicht; die Wirtschaft muß blühen. Und die folgsamen Lemminge ziehen von Event zu Event, von Konsumtempel zu Konsumtempel. Nirgends ist Ruhe, ist Einhalt, nirgends Erlösung.

Und doch. Es gibt Hoffnung. Würzburg leistet Widerstand. Die Stadt wirft sich mutig und entschlossen ins Feld gegen die Übermacht des Verbrauchs. Wo einst die Fülle des Wassers ihrer gesegneten Quellen verschwenderisch aus den Brunnen strömte, predigt sie nun das Ethos des Mangels. Die Brunnen stehen trocken und tot an Straßen und Plätzen. Sie senden ein Zeichen aus: Nieder mit dem Überfluß, das Heil liegt in der Dürre.

Die Stadt duldet keine Kompromisse, wie etwa durch Einwurf einiger Münzen das Wasser zwei Minuten fließen zu lassen, ähnlich wie in manchen Kirchen Geld für kurze Zeit das Licht entzündet oder die Figuren der Krippe bewegt. Nein, die Dürre ist absolut und unübersehbar.

Die Stadt Würzburg hat mit dieser Haltung ein Alleinstellungsmerkmal gefunden, um das sie andere Städte mit Fug beneiden können. Statt in Bescheidenheit zu harren, sollte sie im Stadtmarketing für ihren Mut werben. Das Weinfaß an der Autobahn war gestern, künftig soll es »Die Stadt der toten Brunnen« heißen. Nicht alle Reisenden können nach Schilda fahren.


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