Offener Brief an den Vorstand des Verschönerungsvereins

22. Juli 2008 | Autor: Berthold Kremmler

von Berthold Kremmler, Gosbertsteige 2, 97082 Würzburg

zur Beilage der „Bürgerinitiative Alandsgrund“ zu den Vereinsnachrichten Nr. 45 vom Juli 2008
(Bürgerentscheid am 27.7.08 über den Neubau der FH)

Sehr geehrter Vorstand,

bei der Mitgliederversammlung des Verschönerungsvereins am 30.6. war beiläufig davon die Rede, daß der VVW die Bürgerinitiative unterstütze. Diese ideologische Schlagseite schien mir einer Diskussion nicht wert, da in diesem Rahmen folgenlos. Mit der Beilage des Faltblatts in den Vereinsnachrichten vom gestrigen Tag  ergreifen Sie laut und entschieden Partei.

Diese Ihre Festlegung darf nicht unwidersprochen bleiben. 

Die erste Seite des Faltblatts gibt das seit Wochen die Stadt verunstaltende Plakat wieder – es enthält mithin dieselbe Desinformation.

  1. Es behauptet als Bauplatz den Alandsgrund, obwohl der Neubau am Sanderheinrichsleitenweg geplant ist.
  2. Daß die BI für ihren Namen den Alandsgrund in Anspruch nimmt, hat wirkungsvolle Gründe:
    a) Das Wort »Grund« hat spätestens seit der Romantik einen emotional stark aufgeladenen Beigeschmack (»im tiefsten Herzensgrunde« etc).
    b) »Aland« hat Anklänge an den in vielen europäischen Sprachen mit demselben Sinn befrachteten Laut »a« – Au, Ach, aqua, acqua, Aix (Aix-la Chapelle = Aachen), Wasser/water, thalassa (Meer,alt-griech.) etc. 
    c) Als Versfuß ist »Alandsgrund« ein einprägsamer Daktylus.
    d) Mit dem Wort »Sanderheinrichsleitenweg« kann man keinen Hund hinter dem Ofen vorlocken, weder vom Klang noch vom Sinn her.  

    Mit einem Wort: der Name weckt romantisch-mythische Assoziationen.

  3. Die obere Hälfte des Flugblatts wie des Plakats beherrscht ein Landschaftsphoto, das den Baugrund wiedergeben soll, mit einem Pfeil, der in einen unbestimmten Grund weist und so nicht klar macht, welches Gebiet wirklich gemeint ist. Was davon ist der Sanderheinrichsleitenweg? – bezeichnenderweise kommt dieser Name überhaupt nicht vor.
  4. Der Ausschnitt ist so gewählt, daß man eine reine Naturidylle sieht, fast ohne menschliche Bebauung – da darf man doch nicht eingreifen!
  5. Um diese satten Farben zu erreichen, muß man mächtig in den Farbtopf greifen – bei Nahrungsmitteln hieße das »Geschmacksverstärker« und müßte angegeben werden.
  6. Zwei Mal wird der Alandsgrund als künftiger Standort abgelehnt – nur steht der gar nicht zur Debatte.
  7. Wenn behauptet wird, es gebe »zukunftsfähige Alternativen«, so wird das Fell des Bären verteilt, ehe er erlegt ist: dieses Gelände befindet sich noch gar nicht in der Hand künftiger Bauträger, die ernsthafte Planung kann noch gar nicht begonnen werden. (Wer würde übrigens im Deutschen von dem „Stauffenberg“ reden, wenn er die Stauffenberg-Kaserne meint?)
  8. Das kleine Bild links unten dient eher der Verwirrung: da ist die geplante FH so klein, als würde sie im riesigen Bereich der Leighton Barracks geradezu verschwinden, die Probleme werden ausgeblendet.
  9. Was völlig außer Acht gelassen wird, ist der Faktor Zeit: Am geplanten Sanderheinrichsleitenweg könnten in diesem Herbst die Bauarbeiten beginnen, und in diese Planung sind schon erhebliche Summen gesteckt worden.
  10. Es ist offenkundig, warum die Zeit keine Rolle spielt: wer in solchen mythischen Dimensionen denkt, für den spielen ein paar Jährchen und verplempertes Geld keine Rolle. Man sollte ihn aber auch nicht ernst nehmen. Das für den Bürgerentscheid verschwendete Geld wird vor allem die reuen oder auch mit Wut erfüllen, die in den letzten Jahren zB für kulturelle Zwecke ehrenamtlich tätig waren.

Wenn Politiker für den Protest das törichte, bornierte Wort »Neinsager« bemühen, geht das in die Irre: Entscheidend ist, daß die Bürgerinitiative (nach eigener Aussage 30 Aktivisten) ausschließlich mit Mitteln der Irreführung und ideologischer Verblendung arbeitet, statt mit Vernunft sorgfältig zu prüfen, wie die Verhältnisse liegen und welche wirklichen Alternativen es gibt (oder gegeben hätte). Beliebig leerstehende Gebäude ins Spiel zu bringen, ist unsinnig (es fehlt übrigens in der Vorschlagsliste noch der Hotelturm…). Was mögliche bessere Vorschläge angeht, muß man auch mal einsehen können, daß Gorbatschow für viele Fälle recht hat – »wer zu spät kommt, den bestraft das Leben«.

Die Bürgerinitiative hat sich in den vergangenen Tagen bei Gesprächen in Rundfunk und Presse als vor allem uninformiert und starrsinnig gezeigt.

Das ist das Gegenteil dessen, was man von einem seriösen Wissenschaftler erwarten darf und muß. Hier versucht der Schwanz mit dem Hund zu wedeln, damit sollte sich der Verschönerungsverein nicht handgemein machen.

22.7.2008 

 


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