Wieder Puccini. Diesmal konzertant in Kostümen

1. Oktober 2008 | Autor: Joachim Fildhaut

Die jüngste Operninszenierung im Mainfranken-Theater ergibt sich dem konservativen Publikum. Laut und bunt genügt dem Würzburger Mehrheitsbesucher des Musiktheaters nicht. Es darf, drittens, auch kein Regiegedanke von der Lautstärke im Orchestergraben und von der Farbigkeit auf der Bühne ablenken.

Entfachte vor einem Jahr die moderat moderne, aber konsequent psychologisierende »Tosca« noch anhaltende Entrüstungsstürme, so ging das Mainfranken-Theater beim heurigen – offenbar obligatorischen – Puccini auf  Nummer sicher und brachte die »Turandot« quasi in konzertanter Aufführung, aber mit üppigen Kostümen. Unter Gastregisseur Kurt Josef Schildknecht durften die Akteure als Handlungs-Ersatz wechselweise zwei praktische Podeste besteigen, um ihre Stimmen leichter zur Geltung zu bringen.

Sie erledigten dies bei der Premiere am 27. September mit unterschiedlichem Glück. Am ehesten berührt den Hörer noch Anja Eichhorn in der Titelrolle, wenn sie die Gründe für ihr selbstverhängtes Liebesverbot erklärt. Die manierierten Passagen der – wirklich hingegeben liebenden – Dienerin Liù gerieten Esther Kretzinger anfangs zu kunsthandwerklich, und die Härte des Tenors Richard Brunner passte vor allem zu einem: zum grotesk auseinandergepressten, hemmungslos übertriebenen, in Einzeleindrücke zerfallenden und dadurch immer wieder störenden Orchesterklang: Hoppla, Trommel! Oho, Bassposaune!

Die hervorstechenden Instrumente lenken viel zu viel Aufmerksamkeit auf sich und damit vom Gesamtgeschehen, vom Inhalt ab. Solch ein disparater Eindruck, wie ihn Generalmusikdirektor Jin Wang vermittelt, lässt sich auch schwer mit dem Hinweis rechtfertigen, ein Werk an der Schwelle zur Moderne unterliege nicht mehr dem Gebot des geschlossenen Klangbilds. Hier wird auf eine Weise Radau gemacht, die ihre Berechtigung allenfalls der literarischen Form des Libretto verdankt: Es ist Märchen. Da ist alles erlaubt. Dabei stimmt das gar nicht …


Diesen Artikel als PDF drucken



1 Kommentar zu „Wieder Puccini. Diesmal konzertant in Kostümen“

  1. Hofmann Volker sagt:

    Gottseidank hat man sich zu eine sogenannten konservativen Inszenierung entschlossen. Die Tosca hätte man sich in dieser grauenhaften Auslegung sparen können. Dem Autor möchte ich hier klar und deutlich zu verstehen geben daß das Publikum hier ja wohl mit den Füßen abgestimmt hat und deutlich gemacht hat was es wie sehen will. Wen das Theater nicht darauf lernt wird man die Plätze auch bei künftigen Inszenierungen ähnlich wie in der Tosca verschenken müssen. Zu Recht!!! Im Übrigen ist Puccini in Würzburg durchaus nicht obligatorisch an der Tagesordnung. Jahrelang mußten wir durch eine Puccini-Abstinenz wandern. Nur Wagner, Strauss und Verdi waren da angesagt. Es war also höchste Zeit für Puccini. Auf die nicht so gängigen, aber dennoch phantastischen Werke Manon Lescaut und Fanciulla warten wir in Würzburg immer noch vergebens. Sollten diese allerdings nicht im historischen Kostüm, also gleich der Tosca stattfinden, dann kann man auch gerne darauf verzichten.