The three hearts of 2 Foot Yard

25. März 2009 | Autor: Rigobert Dittmann

Schön ist nicht wirklich das richtige Wort, schön sind die Songs in der Studioversion des Programms, mit dem 2 FOOT YARD die Ohren kitzeln. Aber in echt, live, am Sonntagnachmittag, den 22. März 2009 im Würzburger B-hof, da klangen Carla Kihlstedt, Marika Hughes und Shahzad Ismaily auch anders als nur schön und waren gerade daher eine Reise wert. 40 hatten sich auf den Weg gemacht, aus der Rhön, aus Bamberg, Mainz und sogar Schwelm.

Die carlamanisch verehrte Geigerin & Sängerin von Sleepytime Gorilla Museum und Cosa Brava zeigt hier ihre intime Seite als Singer-Songwriterin im Verbund mit der propperen Cellistin Marika Hughes, die ansonsten emanzipierten Art-Funk mit Red Pocket und temperamentvollen Frauenpowerfolk mit Charming Hostess spielt, und Shahzad Ismaily von Secret Chiefs 3, Ceramic Dog (noch vom Omnibus her in bester Freakshow-Erinnerung) und Carla Bozulich. Dieser seltsame Heilige ist hier das Weberschiffchen, das die Fäden zusammenhält mit Perkussion, Elektrobass und Gitarre und dem richtigen Gespür für die femininen Rhythmen, die Zärtlichkeit und dann doch auch die herzausreißerische Verve der Songs.

Ein Stolperer zum Auftakt sorgt gleich für lockere Stimmung, die zwischendurch durch launige Kommentare und für nicht jederman gleich verständliche Witzchen familiär gehalten wird. Carla fragt sich, warum nicht mehr Männer so pink daher kommen, wie der – ihr fehlt das Wort – wie … der Pfarrer, hilft Marika aus, die ja auch »echt Deutsch« kann, in der Sonntagsmesse, in die sie vormittags hineingetappt waren.

Es beginnt mit »Octopus«, dem Song von den drei Herzen, mit einer Naturstimme, die gleich unter die Haut geht und die Carla vom zartbitteren Hauch bis zum Aufschrei gefühlsecht moduliert. Eben noch schmachtend oder wehmütig, ist das großartige »Gravity« schon mit Sirenenton geflötet. Die jeweiligen Arrangements sind einfallsreich, hier mit markantem Pizzikato, dort mit Bogenschlägen auf die Saiten, jetzt mit fragilem, ganz unrockistischem Drumming. Ismaily pocht mit Filzschlegeln, sogar mit der bloßen Hand, er rasselt mit Shakers, dann tupft er wieder Basslinien.

»Crisis« ist mit schneidender Gitarre und gekrähten Vocals der Fetzer des Nachmittags, und Carlas Temperament verdoppelt ihre 1 Meter 60. Für »Plane Song« ist sie dann wieder ganz Flüstermund und nur die scheinbar Coole. Bei »Hold my Own« mit seinen simplen Wünschen und goldenen Versprechen schlängeln sich die gewebten Geigenwellen ins Ohr, bei »Rooting for the Shy Librarian« bestehen die Lyrics nur aus a-a, a-a, a-a. »50 Miles«mit seinem monotonen Shufflebeat und melancholischen Ton kommt einem Folksong am nächsten, ansonsten haben die Songs fast Kunstliedcharakter, aber doch so, als sei man persönlich gemeint.

Am menschlichen Ende von Pop ist 2 Foot Yard direkt populär. Die braunäugige Cellistin, die auch ihre Stimme immer wieder schwesterlich einmischt, widmet einen Song allen Frauen in XXL und lässt die Saiten wie Pistolenschüsse knallen. Wenn die drei nur Tierlaute maunzen und graunzen, ist das zum Kringeln. Zum Ausklang gibt es aber das bittersüße »Borrowed Arms« mit seinem »uuuu« und dem herzensbrecherischen Refrain »these borrowed arms won’t fend for me / these borrowed eyes won’t let me see / these borrowed legs won’t let me be / but this borrowed heart will set me free.« Ach, wer da nicht seufzt, der hat ein Herz zu wenig. Der Jubel segnete – O-Ton: »eines der besten von den vielen sauguten Konzerten in den letzten 15 Monaten« – mit dem »Rock’n’Roll!!!«-Gütesiegel ab, dem höchsten, der in »Freakburg« verliehen wird.


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