Der Tod kommt rosarot

18. April 2009 | Autor: Joachim Fildhaut

Eric-Emmanuel Schmitt im Torturmtheater

Das Leben ist so, wie ein zehnjähriger Junge es in seinen Briefen an den lieben Gott ausmalt. Dass der Kleine mit seinen Geschichten Recht behält, dafür sorgt ein Großer: der philosophierende Autor Eric-Emmanuel Schmitt, der sich diesen Oskar schließlich ausgedacht hat: ein leukämiekrankes, sterbendes Kind, dessen Energien von einer ehrenamtlichen Betreuerin, eben der Dame in Rosa, noch einmal freigesetzt werden.

Und wie! Dabei ist es in erster Linie die geballte Vitalität der Freiwilligen-Oma, die die Bühnenaufführung in Veit Relins Privattheater erlebenswert macht. Eva-Ingeborg Scholz steht hier voll im Rampenlicht. Die 83-Jährige ist gewissermaßen die Große Dame der Nebenrolle, sei’s im Nachkriegsfilm, sei’s bei unzähligen TV-Serien-Auftritten. Ausagieren konnte sie sich am ehesten in den Münchner Kammerspielen. Vor drei Jahren verknallte sie sich in Schmitts Brief-Kurzroman »Oskar und die Dame in Rosa« und wollte ihn gleich in Szene setzen. Ging aber nicht, der Text war gesperrt. Unter anderem spielte Elke Sommer die Rosane in einer Zwei-Personen-Dramatisierung in Erlangen. In der Zwischenzeit fand Scholz in Sommerhausen einen Kooperationspartner. Veit Relin stattete sein Torturmtheater mit einigen beredten wuchtigen Pinselstrichen aus. Dann kam die Scholz. Blickte magisch. Und sog das Publikum in den Bann des Oskarschen Restlebens.

Neue Wahrheiten über die Welt verkündet Schmitt nicht. Es geht nicht einmal so sehr um die vergessenen Selbstverständlichkeiten. Aber es geht darum, dass Menschen darüber in Kommunikation treten, und sei es mit Gott, dessen Existenz im Stück keineswegs vorausgesetzt, sondern eher geschaffen wird. Und es geht darum, sich das Leben überhaupt wieder einmal als Ganzes vorzusetzen, zu objektivieren. Diesem Vorgang bläst die Scholz Leben ein. Dass sie als gefragte Pilcher-Darstellerin mit Emotionen umgehen kann, fällt auch für hartgesottene Zuschauer keineswegs zum Nachteil aus.

Bis 30. Mai dienstags bis freitags 20 Uhr, samstags 16.30 und 19 Uhr.
Karten Tel. 09333 / 268 an Spieltagen ab 16 Uhr.
www.torturmtheater.de


Diesen Artikel als PDF drucken



Kommentieren ist momentan nicht möglich.