Neue Kunst in alten Mauern

28. Mai 2009 | Autor: Jochen Kleinhenz

Der Mainfranke hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass ehemalige Speicherhallen in neuem Licht als Ausstellungsräume erstrahlen – der Würzburger Kulturspeicher zeigt diesen Wandel gar im Namen. Wenn man nun vom Kloster Wechterswinkel als frisch renoviertem Ausstellungsort spricht, dann deutet erst einmal nichts darauf hin, dass auch in dessen Mauern jahrzehntelang gespeichert wurde – Getreide nämlich, und das schon seit dem 17. Jahrhundert. Diesen Wandel wird eine Ausstellung – »Vom Getreidespeicher zur Kulturscheune« – dokumentieren, vom 21. Juni bis 11. Oktober 2009.

Davor lohnt aber schon ein Besuch – die aktuelle Ausstellung »Neue Kunst in alten Mauern« präsentiert zeitgenössische Kunst aus Ungarn und Deutschland: Malerei, Bildhauerei und Objektkunst, und das in rauen Mengen über Foyer, Innenhof und Ausstellungsräume verteilt. Mit Dierk Berthel und Jan Polacek sind zwei unterfränkische Schwergewichte vertreten, die auch in Würzburg und Umgebung immer wieder Präsenz zeigen. Zusammen mit Ortrud Sturm präsentieren Sie großformatige Arbeiten, die im weitläufigen Innenhof aber die ideale Fläche zur Entfaltung finden, ebenso wie die Metallarbeiten von Pál Sándor Lakatos. Im Gebäude dann kleinere Formate, immer noch viele Skulpturen und Objekte – von den oben genannten sowie von Monika Linhard und István Vanyúr, ergänzt um die Malerei von Lázló feLugossyGyörgy Somogyi und Ferenc Puha. Man darf also etwas Zeit mitbringen …

Anlass für den Besuch außerhalb der Öffnungszeiten war übrigens ein Abend mit zwei spannenden Vorträgen, wobei sich nur einer explizit auf Kunst bezogen hat – Hans Jürgen Fliedner, Kunstwissenschaftler aus Coburg, spannte einen sehr kurzweiligen Bogen von Caspar David Freidrich über Kasimir Malewitsch zu Günther Uecker, wobei der Vortrag teilweise schon Performance-Charakter hatte. Ruthard Stäblein, Literaturredakteur beim hessischen Rundfunk und Exil-Rhöner, beleuchtete dagegen die Verbindung des ehemaligen Klosters zu Walter Benjamin – mit weniger Körpereinsatz als sein Vorredner, aber nicht weniger spannend.

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Der weitläufige Innenhof, ein idealer Skulpturengarten.

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Im Innern: viel Platz zwischen mächtigem Gebälk.

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Zwiebel, organische Form, oder … ?! Plastik von István Vanyúr.

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Hans Jürgen Fliedner in gebührendem Abstand zum Rednerpult.

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Die Malerei sucht sich Ihren Platz, hier im oberen Foyer. Wer lehnt sich da auf die Skulptur? Dierk Berthel – auf seine eigene.

Zeitgenössische Kunst aus Ungarn und Deutschland im Kloster Wechterswinkel.
Ausstellung vom 27. März bis 7. Juni  2009, Sa, So und an Feiertagen von 13–17 Uhr. 
Führungen unter 09771/94670.


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