Töle verduftet, Schauspieler entdeckt

17. August 2009 | Autor: Joachim Fildhaut

Die deutschsprachige Erstaufführung von »Toutou« im Torturmtheater ist zugleich das Sommerhausen-Debüt von Markus Fisher. Der Mann ist eine große Entdeckung, das Stück hat einen kleinen Strickfehler.

Die Beziehung zwischen Hund und Mensch kann tief gründen. Sie bietet viele Variationen und großen, oft befremdlichen und schon deswegen komiktauglichen Detailreichtum. Diese weite Spielwiese loteten die Autoren Daniel Besse und Agnès Tutenuit in »Toutou« aus. Das Torturmtheater Sommerhausen sicherte sich für den 13. August die deutschsprachige Erstaufführung.

Am Ende badeten die drei Schauspieler Heide Hoffmann, Markus Fisher und Peter Kempkes in Applaus. Nur Hund Toutou blieb im Off bzw. war sowieso weg: Alex hat ihn beim Abendspaziergang von der Leine gelassen, die Töle ist verduftet, jetzt betreiben Hundepapa und Frauchen Ursachenforschung. Dabei geht es allmählich lauter zu, und im Forte rissen Hoffmann und Kempkes bei der Uraufführung dann auch am meisten mit.

Bis Fisher kam. Nun riss der Hausfreund – der sich als Hundehasser entpuppt und die Ehe der beiden schließlich doch rettet – das Spiel an sich. Ein bisschen tuntig, sehr Ringsgwandl-wahnsinnig und französisch wie Denis Lavant drohte Fisher kurz seine Partner an die Wand zu spielen. Er zog mit Präzision und ungeheurer Präsenz voraus auf das nächsthöhere Spielniveau, in dessen Licht dann zum Glück auffiel, dass auch Hoffmann und Kempkes sich längst einer ähnlichen Ästhetik, wenn auch verhaltener und bodenständiger, befleißigten. So wahrte die Inszenierung des Torturm-erfahrenen Regisseurs Oliver Zimmer ihre Kohärenz.

Wir haben übertrieben. Der neue Mann im Pool der TTT-Mimen ist nur halb Franzose. Geboren in Nördlingen, Abi in Göttingen, lernte der zweisprachig aufgewachsene Schauspiel und Gesang in Paris, Oper in der Bretagne. Auch die meisten Engagements hatte er in Paris, während seine deutsche Arbeitsstadt die freie Szene von München wurde, aus der ja die meisten Tortürmer stammen. Und damit zurück zum Stück.

torturm-toutou

Drei Personen vermessen die Mensch-Hund-Welt. Das geht nur mit wechselnden Frontstellungen. Eben diese Dynamik ist Markenzeichen von Besse-Tutenuits Kollegin Yasmina Reza. Deren Stücke entwickeln sich stärker von innen heraus, während die aspektreiche Phänomenologie in »Toutou« den Plot auch ein wenig von außen steuert. Deswegen knarzt das dramaturgische Gebälk gegen Ende, doch dagegen bewährt sich abermals die Torturm-Hochgeschwindigkeit, mit der etwaige psychologische Gewagtheiten des Texts über die Bühne flitzen. Da schaut man gern und staunend zu.

www.torturmtheater.de


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