ULLA ULLA ULLALA!!!!!!!!!

24. Oktober 2009 | Autor: Rigobert Dittmann

»Ein unbeschreibliches Erlebnis«, stöhnt ThomK, knapp, aber glücklich der Viecherei von MAGNUS FRA GAARDEN am 17.10.2009 im Würzburger Cairo entronnen. Unbeschreiblich? Dann kann ich ja den Griffel wegschmeißen. Aber für die, die nicht dabei waren und um ThomKs Formel »Panzerballett meets Akineton Retard mit zappaesken Momenten« für sein dänisches Aha-Erlebnis doch etwas hinzu zu fügen, versuch ich‘s dennoch …

Magnus Bak (March Baryton), das namensgebende Landei in Gestalt eines gelben Federviehs, Henrik Melbye (Saxophone) als getigerter Hofhund, Lars Bech Pilgaard (Guitar) im signalgiftigen Plastikoutfit, Rune Jakobsen (E-Bass) als 70s Lover mit wie geleckt haarloser Brust im ärmellosen Pelzwestchen und Casper Mikkelsen (Drums) als Tüpfelhyäne waren als Young Jazz from Denmark angekündigt, entpuppen sich aber gleich schon mit ihrem PS-starken Auftakter »Bellemis« als Partyband von der Animal Farm. Mit der Todesverachtung von Kopenhagener Stadtmusikanten – für die Jüngeren: mit Chicken Run-Spirit – drehen sie mit ztiwrrinerratiG und Bläser-Zickzack »Le Mort« eine Nase. Sie sprengen die Hühner-KZs in die Luft, verwandeln lahme Gäule in »Wild Horses« und »Cocks« in Brandstifter (die Titel hab ich von einer von der Bühne aufgelesenen Set-List).

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Wirklich »Stærk Lakrids«, dieser bärendreckige Humptata-Punk Jazz, durchwegs von Bak komponiert, dem blässlichsten der Fünf. Es gibt an diesem Samstagabend keinen einzigen lahmarschigen Moment. Der Bassist hüpft wie ein aufgedrehter Massai. Dank der waghalsigen Surf- und Katzenkrallengitarre wirkt die ohrwurmig hoppende Blasmusik wie »Nervemedizin«. Auf Balkan Brass für epileptische Bauchtänze im Gabbertempo folgt Bebop zum Headbangen. Denn jazz-rock-technisch sind die Jungs bei allem Trara superversiert und nicht zufällig Mitbewerber beim »Young Nordic Jazz Comets«-Preis. Was sie nicht hindert, sich allesamt nur mit Blasinstrumenten ins Publikum zu mischen, das sich diesen Rabatz grinsend gefallen lässt.

Denn so muss eine Freakshow überhaupt und sowieso sein, außen knusprig und avant, innen ROCK’N’ROLL. Der Gretchgitarrist moderiert den Trubel, er hat in Berlin Deutsch gelernt und schwärmt von den New Yorker Qualitäten der Bundeshauptstadt. Aber inzwischen verstehen wir auch »Dänisch«, klatschen uns nach dem heftig gerifften, aber gleichzeitig melodiös angeblasenen, dann bis zur Saxophonexstase gesteigerten »Æbler og Kandis« und dem kasatschokenden »Perestrojka Zagliebe« die Pfoten wund und erhalten prompt einen Nachschlag vor die quiekenden Rüssel, der alles Gehörte toppt und im Delirium endet mit einem am Boden kreiselnden Bassisten, orgiastischem Krähen, Wiehern, Muhen, Feedback, Stampede sämtlicher Hufe.

Die Magnus-Truppe ähnelt unbesehen ihren Landsleuten Ibrahim Electric oder Pasborg’s Odessa, hat aber die übermütigere Muppet-Show und keine Scheu, dabei auch über Kuhfladen zu stiefeln. So muss das sein.


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