Kunst in der DDR

16. November 2009 | Autor: Joachim Fildhaut

bis 28. Februar, Deutschordensmuseum, Bad Mergentheim

Ein mystischer Schleier liegt über den Kolchosniki, die Werner Tübke in der fernen Bruderrepublik malte. Diese Bauern sind die einzigen, die ihren Stand in der Ausstellung repräsentieren. Dabei hatte man immer gedacht, triumphierende Traktorfahrerinnen u. dgl. seien typisch für das Titelphänomen, Kunst in der DDR. Ebenfalls verblüffend: Auch die Geschlechtsgenossinnen der realsozialistischen Sichelschwingerin, die Künstlerinnen, sind in Bad Mergentheim extrem mager vertreten. Das gibt zu denken – und kein Katalog Auskunft darüber, nach welchen Kriterien die Nationalgalerie Berlin ihre Bestände pflegt(e).

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70 Werke bescheinigen der DDR »ein eigenes künstlerisches Profil von beachtlicher Qualität«, wie das Ausstellungsfaltblatt – nicht zu laut – pocht. Die durchgehend figurativen Arbeiten ziehen eine Kontinuität her von Max Beckmann, Otto Dix und der Neuen Sachlichkeit, die nicht vom westlichen Dogma der Nachkriegsabstraktion unterbrochen wurde. Den Malern und Plastikern ging’s um die Sache – und nicht darum, sich auf dem Kunstmarkt als wiedererkennbare Marke bestmöglich zu verwerten. Natürlich wurden nur die mit der ganz eigenen Handschrift schon vor der Wende im Westen berühmt. Mergentheim stellt sozusagen die Zweite Oberliga hinzu. Von Harald Metzkes und seiner Berliner Schule, aber auch von jüngeren wie Angela Hampel wär mal eine größere Präsentation angebracht, zwecks Prüfung, ob die nicht sogar in der Klasse großer Meister spielen könnten. Da hat Deutschland noch schönen Stoff, um zusammenzuwachsen.

Mit politischer Einordnung halten sich die Schrifttafeln zurück. Einen Kommentar liefern die historischen Ausstellungskataloge in den Vitrinen. Die zeigen, dass der sozialistische Kunstbetrieb manchen Maler protegierte, dessen Mergentheimer Exponate auf stille Weise subversiv anmuten.

im Schloss. Di.–Sa. 14–17, So. 10.30–17 Uhr

www.deutschordensmuseum.de


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