Der Scheintote im Husarenwäldchen

4. September 2013 | Autor: Frieder Sommer

Ich durfte heute den bekannten Würzburger Denkmalexperten Berthold Kremmler anlässlich seiner Exkursion zum Kriegerdenkmal im Husarenwäldchen begleiten, als Vorbereitung auf den »Tag des offenen Denkmals«.
Frontal auf die Plastikgruppe zuschreitend fällt auf, daß das vordere Paar der Katafalkträger »verkehrte« Beine auf den Boden setzt, will sagen, der eine das rechte, der andere das linke. »Was ist denn das für ein Sauhaufen!« Fried Heuler hat offensichtlich den militärisch eigentlich geforderten Gleichschritt seinem Harmoniebedürfnis als Künstler geopfert.
Nimmt man die Gruppe von Süden in den Blick, sieht man, daß der oben liegende tote Uniformträger seine Flinte ans rechte Bein gedrückt hält, und zwar so, als habe ihn die tödliche Kugel auf dem Exerzierplatz just nach Vollzug des Befehls »Geweeehr aaab!« erwischt, und er sei der Länge nach hingeschlagen ohne die militärisch korrekte Haltung aufzugeben. Ich konnte mich nur schwer der Vorstellung erwehren, man beförderte ihn am nächsten Heldengedenktag, anstatt große Reden zu halten, einfach wieder in die Senkrechte und schon stünde er wie aus dem Bilderbuch für weitere Befehle bereit.
Stellt man sich des weiteren die in die Knie gegangene Soldatengruppe als eine in einer Vorwärtsbewegung begriffene vor, könnte es unterhaltsam sein, sich auszumalen, wie es damit weitergehen könnte, und zwar ohne daß es für alle Beteiligten, d.h. einschließlich der Leiche, in einer äußerst peinlichen, unmilitärischen Lage endet


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