Autorenarchiv

Genug ist nicht genug …

Donnerstag, 27. Oktober 2011

… noch einmal zu Fried Heulers Kriegerdenkmal von 1932

Wie jedes Jahr um diese Zeit nahen die Gedenkreden an den Denkmälern. Ob dieses Jahr der Buchtitel eines Spezialisten größeren Nachhall findet als in der Vergangenheit, »Denken statt Denkmalen« von Wolfgang Wippermann, darf mit Spannung erwartet werden. Wahrscheinlich wird wieder die süße Soße der Verallgemeinerung über Gerechte und Ungerechte ausgegossen, werden die Gefallenen betrauert, deren Tapferkeit bestenfalls sinnlos war und über die man nach wie vor nicht laut sagen mag, daß sie in einem verbrecherischen Krieg für verbrecherische Ziele ihr Leben gelassen haben und es nichts, aber auch gar nichts von Ehre, Vaterland und Verteidigung der Heimat und Familie zu beschwören gibt. (mehr …)

Kultur – gut und schön – oder weg damit?!

Mittwoch, 26. Oktober 2011

»Nichts gibt so sehr das Gefühl von Unendlichkeit als wie die Dummheit« – Ödön von Horvath

Braucht eine so kleine Großstadt wie Würzburg eine Zeitschrift, in der sie ihr Selbstverständnis als Kulturstadt feiert?
Das steht zur Abstimmung, wenn am heutigen Mittwoch, 26.10.2011, der Kulturausschuß darüber befindet, ob die Zeitschrift »Kulturgut« mit einer finanziellen Förderung weiterhin als intellektueller Farbtupfer das Image der Stadt aufpolieren soll.
Wir wollen gar nicht grundsätzlich werden und uns wegen der inhaltlichen Füllung des Begriffs Kulturstadt den Kopf zerbrechen. Wir wollen uns nur fragen, ob sie eine solche Zeitschrift, die ja nicht ohne Ambitionen auskommt, zu ihrem Wohlergehen braucht, ob sie mit einem solchen Organ eine bessere Kulturstadt ist als ohne. (mehr …)

Au weia, Ihr Stadtverschönerungs-Riesenzwerge

Mittwoch, 28. September 2011

Das hat gesessen – die Mahnung, daß der neu zu gestaltende Turm – ich nenne seinen augenblicklich gehandelten Namen nicht, der so scheußlich und widersinnig ist wie die ästhetische Planung! – auch ins Ensemble der Augustinerstraße passen muß. Wenn das ein Gericht verkündet, dessen Aufgabe mitnichten ästhetische Fragen sind, dann muß es schlimm stehen.

Aber solche Hilflosigkeiten gehören in eine neuere Entwicklung.
Als vor einigen Jahren das neue »Forum« am Markt mit seinem Dachlatten-Äußeren eingeweiht wurde und Kritik aus allen Ecken ertönte, kamen aus den Stadtbau-Räumen beruhigende Äußerungen: in ein paar Jahren sei die Aufregung vergessen.
Sie ist es mitnichten. (mehr …)

Eiertanz adieu?!

Mittwoch, 15. Juni 2011

Geschafft! – mehr taumelnd als aufrecht hat der Stadtrat doch noch sein Ziel erreicht, den Eiertanz offiziell für beendet zu erklären, diesmal mit überwältigender Mehrheit: der Raum im Grafeneckart wird nach den Vorschlägen des Kulturreferats erneuert, nur drei Ratsmitglieder wollten diese Entscheidung nicht gutheißen. (mehr …)

Würzburger Eiertanz

Donnerstag, 9. Juni 2011

Seit Oktober des vorigen Jahres weiß man im Stadtrat, daß der Kulturreferent Muchtar Al Ghusain die Gedenkstätte an den 16. März 1945 im Erdgeschoß des Grafeneckart umgestalten möchte und daß Kenner der Materie damit beauftragt sind, einen neuen Text dafür auszuarbeiten. (mehr …)

Zum Volkstrauertag – Verständnisprobleme für Denkmäler

Sonntag, 15. November 2009

Mit Denkmälern umzugehen, scheint eine echte intellektuelle Herausforderung zu sein. Jedenfalls sind die Schwierigkeiten, mit ihnen – wie ich finde – angemessen umzugehen, fast unüberwindlich. Deshalb sollen einige bei den Heuler’schen Denkmälern nochmals grundsätzlich zur Sprache gebracht werden. (mehr …)

Heilige Inkonsequenz

Freitag, 30. Oktober 2009

Würzburg und seine Vergangenheit

Erinnert sich noch jemand? Vor einigen Jahren hat der Stadtrat – eine Großtat in seiner Geschichte – der Carl-Diem-Halle ihren Namen aberkannt, nach erbitterten Auseinandersetzungen. Was wollte man damals nicht erst noch an neuen biographischen Forschungen abwarten, um herauszubekommen, ob und wie sehr Carl Diem ins Dritte Reich verstrickt war und die Aberkennung wirklich nötig sei. (mehr …)

Kompetenz, Dilettantismus und Anmaßung I

Montag, 26. Oktober 2009

Vor Jahren gab es in Würzburg den berühmten Baukunstbeirat, besetzt mit kompetenten Architekten und sonstigen Kennern aus der Stadt, die sich um Bauvorhaben und Stadtbild zu kümmern hatten. Warum und woran er damals gescheitert ist, weiß ich nicht mehr im Detail. Aber ich erinnere mich an eine denkwürdige Veranstaltung im Spitäle mit Stadträten und OB-Kandidaten vor der vorletzten Kommunalwahl, bei der einer der Kandidaten mit dem Brustton der Überzeugung meinte, der Beirat sei überflüssig, »Wir können das genauso gut allein«. Die Folgen sind bekannt. (mehr …)

Notiz zu Kunst, Moral und Opportunismus

Freitag, 23. Oktober 2009

Kleinigkeiten zu Krampus’ Kommentar anlässlich Fried Heulers

Wollte man sich eine schnelle Übersicht über die Fragestellung in der Überschrift, zumindest über Kunst und Moral, verschaffen und hoffte auf Google, erlebte man eine herbe Enttäuschung: nicht weniger als 2,5 Millionen Einträge. Die Kombination mit Opportunismus ergibt zwar nur noch ein Hundertstel davon, für die Fundierung eines eigenen Artikels ist das immer noch zu deprimierend.

Also müssen wir uns selbstständig einen Weg durch diesen dschungelartigen Verhau bahnen und mit dem eigenen Kopf denken. (mehr …)

Der Heuleriade letzter Teil

Montag, 5. Oktober 2009

Analytisch-beschreibender Versuch zu einigen Werken Fried Heulers.

Die folgenden Blicke auf Werke Fried Heulers beziehen sich auf vier Bildwerke aus dem Zentrum Würzburgs – so kann jeder, der diese Aussagen überprüfen will, sich an die entsprechenden Plätze begeben.

Wir beginnen in der innersten Innenstadt, dem Lusamgärtchen und dem Platz vor der Paradepost … (mehr …)

»Heuleriade« – die Fortsetzung

Mittwoch, 30. September 2009

Die Auseinandersetzung muß aufgeteilt werden in einen praktischen Teil und einen grundsätzlichen, damit die Verzögerung nicht größer wird.

Auf dem Friedhof am 27. 9. 2009

Die Presse-Ankündigung hatte einen größeren Ansturm erwarten lassen – schließlich soll es sich bei Fried Heuler ja um einen »bedeutenden«, in der Zeitung dann zu »bekannten« herabgestuften Bildhauer handeln, und Stadträte wollten sich zu seiner Ehrung einfinden. (mehr …)

Eine »Heuleriade«

Samstag, 26. September 2009

Kranzniederlegung am Grab Fried Heulers am Sonntag, 27. 9. 2009 um 11 Uhr.

Für den Wahlsonntag hat das Oberbürgermeisteramt der Stadt Würzburg eine Kranzniederlegung zu Ehren des Bildhauers Fried Heuler durch den OB im Hauptfriedhof angekündigt. Dasselbe will der 2. Bürgermeister von Bad Kissingen tun, und viele Stadträte hätten ihr Kommen zugesagt. (mehr …)

»Identitätsstiftung« vom Kiliansbrunnen herab

Sonntag, 16. August 2009

Während anderswo die Sommerlöcher vermessen und mit allem möglichen Müll gefüllt werden, sehen wir in Würzburg uns den großen, den bewegenden Themen gegenüber. Man weiß gar nicht, wo anfangen, wo aufhören. Ob das die »Bella Donna« als Beginn der Skulpturen-Promenade am Alten Hafen ist, ob die Einweihung des renovierten Neumünsters mit all seinen spektakulären Neuerungen (etwa der aus einem rotem Buntsandstein-Becken herauswachsende Cortenstahl-Kerzenhalter), ob die Wiedererrichtung des Kiliansbrunnens vor dem Bahnhof oder die heiße Diskussion eines Werbe-Slogans für die Stadt, ob das Fließen vieler Brunnen oder der Erfolg des Hafensommers  – überall gehen die Wogen hoch und die Kommentare von allen Seiten tief. (mehr …)

Die Gnade des frühen Baubeginns

Sonntag, 14. Juni 2009

oder: Schweinfurt und seine »Gottbegnadeten«

Glücklich die Zeiten, in denen man ohne Hintergedanken sich auf seine »Alten Meister« beziehen, ihrer gedenken und sie feiern konnte. Kein Fettnäpfchen, in das die Nachgeborenen hätten tappen können. Glücklich solche Zeiten.

Schweinfurt hat jetzt das Ernst-Sachs-Bad, gebaut 1931 bis 33, gestiftet von einer der großen Mäzenatenfamilien der Stadt – daher der Name –, wieder herrichten lassen, um es einer neuen Bestimmung zuzuführen, einer Galerie für moderne Kunst. Ein solches Unterfangen ist, für eine so kleine Stadt wie Schweinfurt, lobenswert, ja vorbildlich. Ein kleines Bedauern allerdings  stellt sich ein. (mehr …)

Nachtrag zum Kiliansbrunnen

Montag, 18. Mai 2009

Das muß ja was Größeres gewesen sein, diese Inthronisation der Kiliansstatue auf dem Brunnen vergangenen Freitag – leider hat mir eine Umleitung auf der Autobahn diesen gewiß begeisternden Anblick vorenthalten. Etwas später waren jedenfalls nur noch ein paar versprengte Zaungäste da. (mehr …)

Auf Flügeln des Gesangs: Kilian schwebt ein

Donnerstag, 14. Mai 2009

Pinocchio ist an allem schuld!

Der Provinzposse von Weltniveau anderer Teil

Würzburg hat einen neuen Aufschwung genommen. Der »Würzburger Orchestergrabenkrieg« (wie die FAZ titelte) ist fast ganz beerdigt, man kann die Nase wieder in die Luft strecken und sie sich um diese streichen lassen – wir befinden uns wieder in höheren, um nicht zu sagen ins Transzendente abdriftenden Gefilden: Kilian ist im Anflug – man bedenke seine künftige Höhenposition. (mehr …)

»Vergiß das Beste nicht«

Freitag, 8. Mai 2009

Notiz zur Eröffnungsveranstaltung zu Wiederaufbau und Wirtschaftswunder am 6. Mai 2009

Jeder Märchenleser kennt aus seiner Kinderzeit das Märchen von »Ali Baba und den 40 Räubern«. Die Märchentradition des Mittelmeerraumes bietet davon verschiedene Varianten; in einer Version haben die Eltern ihr Kind dabei, als sie die Räuberhöhle entdecken und die Räuber beklauen. Es spielt etwas abseits mit den Schmuckstücken, bei denen die Eltern sich bedienen und immer mehr hinausschleppen. (mehr …)

St. Bruno deckt die Blößen zu

Montag, 23. März 2009

Viele deutlich sichtbare Lücken gibt es in der Innenstadt nicht mehr zu schließen. Eher ist man geneigt, nicht bis zum äußersten geschlossene Hausfluchten als Raum zum Atmen zu empfinden. (mehr …)

Offener Brief an den Vorstand des Verschönerungsvereins

Dienstag, 22. Juli 2008

von Berthold Kremmler, Gosbertsteige 2, 97082 Würzburg

zur Beilage der „Bürgerinitiative Alandsgrund“ zu den Vereinsnachrichten Nr. 45 vom Juli 2008
(Bürgerentscheid am 27.7.08 über den Neubau der FH)

Sehr geehrter Vorstand,

bei der Mitgliederversammlung des Verschönerungsvereins am 30.6. war beiläufig davon die Rede, daß der VVW die Bürgerinitiative unterstütze. Diese ideologische Schlagseite schien mir einer Diskussion nicht wert, da in diesem Rahmen folgenlos. Mit der Beilage des Faltblatts in den Vereinsnachrichten vom gestrigen Tag  ergreifen Sie laut und entschieden Partei.

Diese Ihre Festlegung darf nicht unwidersprochen bleiben. (mehr …)

Passionen der Abstraktion

Montag, 7. Juli 2008

Die Ausstellung »Dieter Stein. Altes und Neues und Arbeiten von Freunden« im Martin von Wagner Museum der Residenz, Würzburg, vom 19. April bis 1. Juni 2008, verlängert bis 13. Juli 2008.

Motiv des Ausstellungsplakats

Gerade bei einem Künstler, der im persönlichen Gespräch so zupackend und direkt sein kann wie Dieter Stein, mag es erhellend sein, sich quasi von den Rändern her zu nähern. Der nachdrücklichste ›Rand‹, der dem uninformierten Betrachter am wenigsten auffällig und bewußt werden dürfte, ist die Besonderheit, daß der durch die Ausstellung geehrte Dieter Stein alle Bilder selbst ausgesucht und für die Hängung gesorgt hat. Er ist mit einem Berg an Bildern ins Museum gekommen, hat in mühsamer Kleinarbeit die Bilder – seine eigenen wie die seiner Freunde – ausgesucht, ihre Aufhängung ausprobiert und angeordnet. Nicht nur die Bilder also sind das Werk des Künstlers, sondern auch ihre Präsentation, das Kalkül ihres Zusammenspiels und ihrer Wirkung. Und er führt uns vor, was bei einer solch durchdachten Hängung für die Bilder selbst, aber auch für unsere Wahrnehmung und Einsicht in sie zu gewinnen ist, ohne daß es erklärender Worte bedarf – freilich geben die knappen Erläuterungen im Katalog zusätzliche Fingerzeige. Dort findet sich von dieser Hängung leider kein Widerschein, kann es auch nicht, weil das kunstvolle Arrangement an den Wänden und in den Räumen sich gegen eine adäquate Wiedergabe in Buchform sperrt. (mehr …)

Die Kunst der Arabeske

Montag, 30. Juni 2008

Sammel-Ausstellung von Schmuck-Künstlern bei Eva Maisch in der Sterngasse 5 (gegenüber Main-Post) vom 7.6.–5.7.2006

Von den Herbst-Rosen heißt es in einem der berühmtesten Gedichte von Stefan George: »Erlese, küsse sie und flicht den kranz‧« Erinnerungen an solche Verse stellen sich ein, wenn man die Ketten sieht, die Hilde Janich im Atelier von Eva Maisch ausgelegt und ausgehängt hat. George nimmt etwas von der Zartheit und Eleganz in sein Gedicht, die mit Worten so schwer vor Augen zu stellen sind. George hat sich vom welken Charme herbstlicher Blüten inspirieren lassen – das Zerbrechliche dieser Blumen ist uns sofort gegenwärtig. In diesem Schmuck steckt bei aller Feinheit und Zerbrechlichkeit jedoch auch ein Wille zur Dauer, da die Blüten nicht zwischen den Fingern sich in Staub auflösen Vielmehr sind diese Farbtupfer Überlebenskünstler: sie bestehen aus speziell präpariertem Pergament, wirken durch begrenzende zarte Farbe, als wären sie in Metall gefaßt, und feine Drähten verbinden sie miteinander. Ein Reigen aus Farbtupfern, eher eine Wolke als etwas Dinghaftes, zugleich zweidimensional, da aus so ungreifbarem Material gefertigt, und doch dreidimensional, da diese Plättchen in ihrer Eigenart widerborstig sind und nicht auf einer Ebene liegen. (mehr …)

»Sonne, du klagende Flamme«

Sonntag, 29. Juni 2008

Späte Notiz zum Heine-Abend »Deutschland, ein Wintermärchen« in den Kammerspielen des Mainfrankentheaters

Man brauchte zu diesem Theaterabend nichts mehr zu veröffentlichen: die Aufführungen sind immer ausverkauft, im Programm ist er wohl nicht mehr lange zu finden. 

Der Zufall hat gewollt, daß dem Rezensenten just an dem Abend ein Vorstellungsbesuch ermöglicht wurde, als Schweinfurt eine einschlägige Ausstellungseröffnung zelebrierte: die Doppel-Jubiläums-Ausstellung von Werken Carl Spitzwegs und Wilhelm Buschs. (mehr …)

Percussion – Fußball = x : 0

Dienstag, 17. Juni 2008

Der Schlagzeuger Xiaojing Wang (Meisterklasse Prof. M.Ch. Lutz)

In Würzburg gibt es sehr viele anspruchsvolle Konzerte, mehr anscheinend, als es das entsprechende Publikum zu goutieren vermag. Da muß man kein Snob sein, um sich vom Spiel Österreich gegen Deutschland keinen unentbehrlichen fußballerischen Leckerbissen zu erwarten, vor allem, wo wir doch inzwischen von so blendenden Vorstellungen in den anderen EM-Gruppen verwöhnt sind. (mehr …)

Würzburger Nüsse – taube und pralle II

Mittwoch, 11. Juni 2008

»… der Brunnen Übersteigung …« (der andere lyrische Brunnenheilige)

–  am Ende: der Kiliansbrunnen. 

»… denn alles, was entsteht,/
ist wert, daß es zugrunde geht;«
Mephisto (1339f. )

Jetzt haben wir ihn also endlich – nein, wir reden nicht vom Salat, sondern vom Auftrag des Stadtrats, den Kiliansbrunnen zu restaurieren, und zwar stante pede: nächstes Frühjahr soll er schon wieder in Amt und Würden stehen, nachdem er so viele Jahrzehnte hat darben müssen. (mehr …)

Würzburger Nüsse – taube und pralle I

Donnerstag, 5. Juni 2008

Architektur in der Stadt

Es hat manchmal etwas Wundersames, wie  dieser oder jener in unserer Stadt sein Mütchen kühlen möchte im Umgang mit Kunst, Architektur und Denkmälern. Doch ist es nicht ohne eine gewisse Folgerichtigkeit. (mehr …)