Autorenarchiv

Sprache »mit Herz und Klugheit«?

Mittwoch, 23. November 2016

Am Montag Abend (21. November 2016) wurden im Rathaus die städtischen Kulturmedaillen verliehen – und die Main-Post berichtet darüber unter dem Titel »Kulturmedaillen für Einsatz mit Herz und Klugheit«. Am Artikel gibt es vordergründig nichts auszusetzen – er informiert über ein Ereignis, das stattgefunden hat. Nicht mehr, nicht weniger. Und doch stolpern aufmerksame Leserinnen und Leser möglicherweise über ein wörtliches Zitat, welches dem ehemaligen städtischen Kulturmanager Johannes Engels zugeordnet ist. Über die Mitglieder der Initiative »Willkommen mit Musik« sagt er:

»Sie leisten hochprofessionelle Arbeit mit jungen Asylantinnen und Asylanten«

Das ist jetzt aber verwirrend: Ein »Killwort« (SZ) bzw. »Schimpfwort« (Merkur) bzw. »Unwort« (Diakonie Sachsen) in weiblicher und männlicher Form, also in fast schon geschlechtergerechter Sprache eingesetzt. Was soll man nun davon halten? …

Sack und Asche (2)

Donnerstag, 22. April 2010

Tja, und das war es dann auch schon wieder mit dem blauen Himmel. »Business as usual«, wie der Anglophile sagt, der Luftverkehr ist wieder da, wo er hingehört – der Himmel heute morgen über Würzburg, vom Residenzplatz aus gesehen und geknipst, spricht Bände. (mehr …)

Sack und Asche

Montag, 19. April 2010

Wer sich hierzulande gerne in Bildern ausdrückt, vulgo: »Sprichwörter« verwendet, dem ist sicher das vom Sack Reis in China geläufig, der gelegentlich umfallen muss, um demjenigen, der diesen Sack erwähnt, als Bild für sein Desinteresse an einer Sache oder einem Thema zu dienen. Bis vor kurzem hätte man wohl genausogut – um die Säcke mal in Ruhe stehen zu lassen – von isländischen Vulkanen sprechen können. Denkste: dort bläst es Asche in die Luft, und hier bleiben die Flugzeuge am Boden. (mehr …)

Popkultur in Würzburg

Dienstag, 13. April 2010

Böse Zungen behaupten ja, dass, wenn sich die Wissenschaft einer Sache annehme, diese bereits gut abgehangen sei, um nicht zu sagen: tot. Diese Behauptung wird sicher gestützt durch all jene Disziplinen, die sich ganz auf das Gestern konzentrieren – vom Sezieren des kürzlich Verstorbenen über das Herausgraben jahrhundertealter Scherben bis hin zum Studium jahrmillionenalter Versteinerungen. Nun ist »Pop« resp. »Popkultur« noch nicht ganz so alt – auch wenn sich heute so manches anfühlt und anhört, als ob es schon vor dem Auftauchen der ersten Einzeller produziert worden ist. (mehr …)

Design im Alltag (4)

Sonntag, 17. Januar 2010

Diesmal: Unheimliche Berührung der dritten Art.

Wenn die Typografie in historisch gut abgehangene Produktbereiche einbricht, dann gibt es immer etwas zu staunen. Ein solches Produkt, bei dem Tradition über alles geht, ist der Wein. Eine oft viele Jahrhunderte und noch mehr Generationen von Winzern umfassende Tradition hat nicht nur das Gesicht der Landschaft geprägt (Weinberge), sondern auch – ähnlich der Bierkultur – eine eigene visuelle Sprache gefunden, vornehmlich auf den Etiketten der Flaschen, in denen der Wein an den Mann resp. die Frau gebracht werden soll. Zwar landet jeder gute Tropfen irgendwann im relativ neutralen Glas, aber zuvor muss unter anderem das Etikett auf der Flasche die »Zielgruppe« ansprechen – schließlich buhlen im Getränke- oder Supermarkt viele verschiedene Weine um die Gunst der Kunden. Und das nicht zuletzt in Würzburg, der Metropole »Weinfrankens«. (mehr …)

Neues zum Wort mit »P«

Dienstag, 22. September 2009

Das ist doch auch ein Würzburger Alleinstellungsmerkmal: zuerst viel Wallung, danach Stille – sei es die »Provinz auf Weltniveau«, sei es die Erhöhung der Parkgebühren in der Innenstadt (wobei man bei letzteren sich ja nur moderat an das »Weltniveau« anzunähern versuchte: Wer einmal z. B. in Berlin am Potsdamer Platz Parkgebühren entrichtet hat, kann über hiesige nur schmunzeln …). (mehr …)

Kalte Buchen sollst Du suchen …

Mittwoch, 2. September 2009

… denn der Verlag von Peter Engstler lädt wieder zur »literarischen Biennale« in der Rhön, vom 3.–6. September an der Kalten Buche/Rhön, …

… und viele, viele kommen. Wobei sich das Hauptprogramm auf Tag 2 und 3 verteilt, nämlich Freitag, 4.9. ab 19 Uhr und Samstag, 5.9. ab 13 Uhr. (mehr …)

Lounge-Jazz im Breitwandformat

Montag, 3. August 2009

Wie in den vergangenen Jahren, ist auch in diesem Jahr der Hafensommer nicht gerade arm an musikalischen Sensationen. Eine davon war gestern Abend zu sehen und zu hören: Die Jazz Big Band Graz, kurz jbbg, die als 18-köpfiges Ensemble auf der schwimmenden Bühne aufspielte. (mehr …)

Rosige Zeiten

Donnerstag, 30. Juli 2009

Am letzten Wochenende war es wieder so weit: die Fakultät Gestaltung präsentierte am Freitag und Samstag (24./25. Juli 2009) die Projekt- und Diplomarbeiten des vergangenen Semesters einer interessierten Öffentlichkeit. Es ist mühsam, hier Highlights herausstreichen zu wollen – kommen die Arbeiten doch aus so unterschiedlichen Bereichen wie Typografie, Illustration, Fotografie, Film/Video und Interface Design. Allerdings gab es diesmal eine Arbeit zu sehen, deren eindeutige Verortung zwischen schlitzohrigem Gimmick und Branchenkiller erst noch zu erfolgen hat. (mehr …)

Neue Kunst in alten Mauern

Donnerstag, 28. Mai 2009

Der Mainfranke hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass ehemalige Speicherhallen in neuem Licht als Ausstellungsräume erstrahlen – der Würzburger Kulturspeicher zeigt diesen Wandel gar im Namen. Wenn man nun vom Kloster Wechterswinkel als frisch renoviertem Ausstellungsort spricht, dann deutet erst einmal nichts darauf hin, dass auch in dessen Mauern jahrzehntelang gespeichert wurde – Getreide nämlich, und das schon seit dem 17. Jahrhundert. (mehr …)

In dieser Gaudi ist der Wurm drin

Montag, 23. Februar 2009

Es gibt nicht allzu viele Momente, in denen ich mir wünsche, wieder in jenem Rhöndorf zu leben, in dem ich aufgewachsen bin. Der Würzburger Faschingsumzug aber gehört zu den jährlich wiederkehrenden Katalysatoren solcher Gedanken. (mehr …)

Leistungsschau Design

Samstag, 7. Februar 2009

Wieder geht ein Semester (an der Fachhochschule) zu Ende, und wieder bietet sich die Gelegenheit für alle Interessierten, sich einen Überblick über die Arbeiten und Projekte an der Fakultät Gestaltung der hiesigen FH zu verschaffen. Dazu öffnet die Fachhhochschule in der Münzstraße ihre Pforten am 

Freitag, 6. Februar, 14–19 Uhr
Samstag, 7. Februar, 10–17 Uhr 

Da heißt es: Hingehen … denn in nicht allzu ferner Zukunft wird die Fakultät Gestaltung dann den Neubau am Hubland beziehen, und damit wird das Kommunikationsdesign leider wieder etwas aus der Stadtmitte in die Peripherie verlagert. (mehr …)

Aller guten Dinge sind drei …

Mittwoch, 8. Oktober 2008

… manchmal auch vier, wie die mittlerweile vierte Staffel von Dennis Schützes Live-Talkshow »My Favourite Tracks«. Eindrücke vom Eröffnungsabend.

Die Idee an sich scheint nicht sonderlich originell, und das Format ist – im TV – fast durchgängig unerträglich. Dennoch lädt der Würzburger Musiker und Träger des letztjährigen Kulturförderpreises der Stadt Würzburg, Dennis Schütze, zum vierten Mal zu seiner gut zweistündigen Live-Talkshow, die jeden ersten Dienstag im Monat im nächsten Halbjahr bis März stattfindet – und der Besuch lohnt. (mehr …)

Ein »landschaftlich schön gelegener Acker«

Mittwoch, 23. Juli 2008

Man müßte lachen, wenn die Lage nicht so ernst wäre: Eine Bürgerintiative gründet sich gegen einen Neubau auf bisher unbebautem Gebiet (sieht man vom Ackerbau ab, der hier – noch – fleißig praktiziert wird), wirft mit ein paar Schlagworten und vermeintlichen Fakten um sich (»landschaftlich schön gelegener Acker«, »Eingriff in das Naturidyll«, »mittels Gutachten weitgehend ausgeräumte Bedenken« etc.), präsentiert scheinbare Alternativen (Leightons, Leightons, Leightons – oder wahllos jedes andere leerstehende Gemäuer zwischen »Kalter Quelle« und »Schäfermühle«), geht sogar soweit, zu behaupten die Interessen der tatsächlich Betroffenen – der künftigen FH-Studenten – besser zu vertreten als die bauwillige FH selbst und ist dabei Nutznieser des Duftes des letzten Bürgerentscheids gegen die Arkaden am Bahnhof, des Duftes des Ungehorsams, des kritischen, mündigen, nicht erpressbaren Bürgers, der immer noch durch die Stadt weht. Nur wer genau hinriecht, merkt, daß das nicht der selbe Duft ist. Das hier riecht anders. (mehr …)

Design im Alltag (3)

Dienstag, 15. Juli 2008

Diesmal: Fraktur – die gebrochene Schrift. Und: der Kiliansbrunnen (mal wieder).

Vermutlich ist die Zahl derer, die schon einmal eine Fraktur hatten, inzwischen größer als die derjenigen, die Fraktur noch lesen können. Wobei: Die eine oder andere Zeitung schmückt sich mit dieser Schriftvariante noch im Kopf (aber wer liest schon noch Zeitungen?), und an Wirtshausschildern sieht man sie auch immer wieder dann, wenn Zünftigkeit und Tradition vermittelt werden sollen (auch hier die Frage: Liest man überhaupt noch »Krone«, »Anker« oder sonstiges, oder wird man nur des Schriftbildes gewahr, das irgendwie »Essen und Trinken« verheißt?). Daß die Fraktur wegen des teilweise groben Unfugs, der mit ihr auch heute immer wieder mal getrieben wird, »gebrochene« Schrift heißt, wäre weit hergeholt. Aber betrachtet man die aktuellen Beispiele für Ihren Einsatz genauer, dann muß man schon schlucken – und die eine oder andere Träne wegwischen. (mehr …)

Sechserpack in der Scheune

Donnerstag, 10. Juli 2008

Im Keller gehts los ...Die aktuelle Ausstellung »Sechserpack« in der Papierscheune Homburg vom 5. Juli bis 3. August 2008.

Mit einer Gemeinschaftsausstellung von Dierk BerthelErnst Johann Herlet, Peter Paul Kreneck, Jan PolacekWicki Reindel und Alberto Salom buhlt auch das Kulturforum Papiermühle um die Aufmerksamkeit der Kunstinteressierten. Am 5. Juli war Eröffnung im abendlich-schwülen Hof, bevor die Vernissagengäste sich im Gebäude verteilten, um die Kunstwerke zu entdecken. (mehr …)

Design im Alltag (2)

Dienstag, 24. Juni 2008

Werbung und Typografie gehören zusammen wie Kain und Abel – nur daß es der Werbung trotz regelmäßigem Eindreschen auf die Typografie nicht gelingt, diese endgültig ins Jenseits zu befördern. Typografie ist zäh, und angesichts des folgenden möchte man sagen: Sie vermag nachzugeben, sich zu verbiegen, so gut es eben geht – wenn sie nicht schon mit grobem Vorsatz verbogen wird … (mehr …)

Love is the message

Dienstag, 10. Juni 2008

Eine Tagung in Siegen widmete sich 3 Tage lang den Medienamateuren

Wenn es noch eines letzten Signals bedurft hätte, daß die Diskussion um die Wirkung des Amateurschaffens, vor allem des medialen, auch im wissenschaftlichen Diskurs angekommen ist: am ersten Wochenende im Juni war es soweit. Die Universität Siegen, genauer der Lehrstuhl für Mediengeschichte unter Prof. Dr. Susanne Regener, hat zur ersten Tagung »Medienamateure – wie Laien unsere visuelle Kultur verändern« eingeladen. Und viele kamen – über 20 ReferentInnen, die meisten aus dem Hochschulbereich, beleuchteten und diskutierten drei Tage lang im Siegener Museum für Gegenwartskunst gut 100 Jahre Amateurschaffens – vom urbanen Straßenknipser zu Beginn des 20. Jahrhunderts über fotografierende Arbeiter oder SS-Männer, Schmalfilm-Amateure in West- und Ostdeutschland oder Videoamateure in Österreich bis hin zu aktuellen Darstellungs- und Medienformen in den social networks oder Amateur-Pornoseiten des Web 2.0. (mehr …)

Design im Alltag (1)

Dienstag, 3. Juni 2008

Das hat er gut gemacht, der Marco Schneider: nicht nur die Würzburger Öffentlichkeit mit dem Umstand verblüfft, daß auf dem Plakat eines SPD-Politikers nun auch wieder das SPD-Logo zu sehen ist (von der OB-Stichwahl war man ja zwischenzeitlich anderes gewöhnt). Nein, auch das plakatierte Motto wirkt in seiner Klarheit und Offenheit ansprechend: »was ich für sie im landtag erreichen will« – kein alltägliches Politphrasengedresche, sondern die offene Einladung zum Dialog, die Bereitschaft, Rede und Antwort zu stehen.

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1968 und kein Ende

Sonntag, 11. Mai 2008

Es gehört schon mehr als nur Blauäugigkeit dazu, zu hoffen, daß der 1968-Rummel vor Jahresende zum Erliegen käme. Warum auch? Das Thema ist spannend, und jedes Land der Welt hat seine ganz eigene 1968-Variante erlebt. Und in diesen Ländern sind es wiederum die Städte, die sich mal mehr, mal weniger studentenbewegt gezeigt haben. (mehr …)