Archiv für die Kategorie „Diskussion“

Sprache »mit Herz und Klugheit«?

Mittwoch, 23. November 2016

Am Montag Abend (21. November 2016) wurden im Rathaus die städtischen Kulturmedaillen verliehen – und die Main-Post berichtet darüber unter dem Titel »Kulturmedaillen für Einsatz mit Herz und Klugheit«. Am Artikel gibt es vordergründig nichts auszusetzen – er informiert über ein Ereignis, das stattgefunden hat. Nicht mehr, nicht weniger. Und doch stolpern aufmerksame Leserinnen und Leser möglicherweise über ein wörtliches Zitat, welches dem ehemaligen städtischen Kulturmanager Johannes Engels zugeordnet ist. Über die Mitglieder der Initiative »Willkommen mit Musik« sagt er:

»Sie leisten hochprofessionelle Arbeit mit jungen Asylantinnen und Asylanten«

Das ist jetzt aber verwirrend: Ein »Killwort« (SZ) bzw. »Schimpfwort« (Merkur) bzw. »Unwort« (Diakonie Sachsen) in weiblicher und männlicher Form, also in fast schon geschlechtergerechter Sprache eingesetzt. Was soll man nun davon halten? …

Der Scheintote im Husarenwäldchen

Mittwoch, 4. September 2013

Ich durfte heute den bekannten Würzburger Denkmalexperten Berthold Kremmler anlässlich seiner Exkursion zum Kriegerdenkmal im Husarenwäldchen begleiten, als Vorbereitung auf den »Tag des offenen Denkmals«. (mehr …)

Genug ist nicht genug …

Donnerstag, 27. Oktober 2011

… noch einmal zu Fried Heulers Kriegerdenkmal von 1932

Wie jedes Jahr um diese Zeit nahen die Gedenkreden an den Denkmälern. Ob dieses Jahr der Buchtitel eines Spezialisten größeren Nachhall findet als in der Vergangenheit, »Denken statt Denkmalen« von Wolfgang Wippermann, darf mit Spannung erwartet werden. Wahrscheinlich wird wieder die süße Soße der Verallgemeinerung über Gerechte und Ungerechte ausgegossen, werden die Gefallenen betrauert, deren Tapferkeit bestenfalls sinnlos war und über die man nach wie vor nicht laut sagen mag, daß sie in einem verbrecherischen Krieg für verbrecherische Ziele ihr Leben gelassen haben und es nichts, aber auch gar nichts von Ehre, Vaterland und Verteidigung der Heimat und Familie zu beschwören gibt. (mehr …)

Kultur – gut und schön – oder weg damit?!

Mittwoch, 26. Oktober 2011

»Nichts gibt so sehr das Gefühl von Unendlichkeit als wie die Dummheit« – Ödön von Horvath

Braucht eine so kleine Großstadt wie Würzburg eine Zeitschrift, in der sie ihr Selbstverständnis als Kulturstadt feiert?
Das steht zur Abstimmung, wenn am heutigen Mittwoch, 26.10.2011, der Kulturausschuß darüber befindet, ob die Zeitschrift »Kulturgut« mit einer finanziellen Förderung weiterhin als intellektueller Farbtupfer das Image der Stadt aufpolieren soll.
Wir wollen gar nicht grundsätzlich werden und uns wegen der inhaltlichen Füllung des Begriffs Kulturstadt den Kopf zerbrechen. Wir wollen uns nur fragen, ob sie eine solche Zeitschrift, die ja nicht ohne Ambitionen auskommt, zu ihrem Wohlergehen braucht, ob sie mit einem solchen Organ eine bessere Kulturstadt ist als ohne. (mehr …)

Au weia, Ihr Stadtverschönerungs-Riesenzwerge

Mittwoch, 28. September 2011

Das hat gesessen – die Mahnung, daß der neu zu gestaltende Turm – ich nenne seinen augenblicklich gehandelten Namen nicht, der so scheußlich und widersinnig ist wie die ästhetische Planung! – auch ins Ensemble der Augustinerstraße passen muß. Wenn das ein Gericht verkündet, dessen Aufgabe mitnichten ästhetische Fragen sind, dann muß es schlimm stehen.

Aber solche Hilflosigkeiten gehören in eine neuere Entwicklung.
Als vor einigen Jahren das neue »Forum« am Markt mit seinem Dachlatten-Äußeren eingeweiht wurde und Kritik aus allen Ecken ertönte, kamen aus den Stadtbau-Räumen beruhigende Äußerungen: in ein paar Jahren sei die Aufregung vergessen.
Sie ist es mitnichten. (mehr …)

Eiertanz adieu?!

Mittwoch, 15. Juni 2011

Geschafft! – mehr taumelnd als aufrecht hat der Stadtrat doch noch sein Ziel erreicht, den Eiertanz offiziell für beendet zu erklären, diesmal mit überwältigender Mehrheit: der Raum im Grafeneckart wird nach den Vorschlägen des Kulturreferats erneuert, nur drei Ratsmitglieder wollten diese Entscheidung nicht gutheißen. (mehr …)

Würzburger Eiertanz

Donnerstag, 9. Juni 2011

Seit Oktober des vorigen Jahres weiß man im Stadtrat, daß der Kulturreferent Muchtar Al Ghusain die Gedenkstätte an den 16. März 1945 im Erdgeschoß des Grafeneckart umgestalten möchte und daß Kenner der Materie damit beauftragt sind, einen neuen Text dafür auszuarbeiten. (mehr …)

Paupernautik? Starchidismus?

Freitag, 17. September 2010

Wenn ich sage, dass in Würzburg ein absolut mindfuckendes Printerzeugnis erscheint, dann ist das kein Eigenlob. Ich spreche nämlich von STUPOR MUNDI – »Internationale unabhängige Zeitung für Kultur, Wissen und Kunst der Welt im Geiste der Neuen Aufklärung«. Unter dem Medusenhaupt als pikto-programmatischem Schild und dem deeskalierenden Wahlspruch »Im Notwendigen herrsche Einmütigkeit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem aber Nächstenliebe« des Lutheraners Rupertus Meldenius überfällt einen – dreisprachig! – eine tatsächlich stupende Themenvielfalt. (mehr …)

Sack und Asche

Montag, 19. April 2010

Wer sich hierzulande gerne in Bildern ausdrückt, vulgo: »Sprichwörter« verwendet, dem ist sicher das vom Sack Reis in China geläufig, der gelegentlich umfallen muss, um demjenigen, der diesen Sack erwähnt, als Bild für sein Desinteresse an einer Sache oder einem Thema zu dienen. Bis vor kurzem hätte man wohl genausogut – um die Säcke mal in Ruhe stehen zu lassen – von isländischen Vulkanen sprechen können. Denkste: dort bläst es Asche in die Luft, und hier bleiben die Flugzeuge am Boden. (mehr …)

Popkultur in Würzburg

Dienstag, 13. April 2010

Böse Zungen behaupten ja, dass, wenn sich die Wissenschaft einer Sache annehme, diese bereits gut abgehangen sei, um nicht zu sagen: tot. Diese Behauptung wird sicher gestützt durch all jene Disziplinen, die sich ganz auf das Gestern konzentrieren – vom Sezieren des kürzlich Verstorbenen über das Herausgraben jahrhundertealter Scherben bis hin zum Studium jahrmillionenalter Versteinerungen. Nun ist »Pop« resp. »Popkultur« noch nicht ganz so alt – auch wenn sich heute so manches anfühlt und anhört, als ob es schon vor dem Auftauchen der ersten Einzeller produziert worden ist. (mehr …)

Bunte Waldmenschen

Montag, 15. Februar 2010

Viel Tamtam um neues Musical am Mainfranken-Theater

Frank Felicetti ist ein Tausendsassa. Besonders gut behauptet er sich als Schauspieler-Sänger in fetzigen Musicals auf diversen Gastbühnen. Nun hat er selbst eins geschrieben und auf der mainfränkischen Regionalbühne untergebracht, auf der er einst gute Figur als Gast im »Kleinen Horrorladen« machte.

»Es ist nur eine Legende«, werben die Plakate für »Goscior, der Zwischenweltler«. Es ist nur ein Märchen, so lässt sich das Genre umreißen. (mehr …)

Design im Alltag (4)

Sonntag, 17. Januar 2010

Diesmal: Unheimliche Berührung der dritten Art.

Wenn die Typografie in historisch gut abgehangene Produktbereiche einbricht, dann gibt es immer etwas zu staunen. Ein solches Produkt, bei dem Tradition über alles geht, ist der Wein. Eine oft viele Jahrhunderte und noch mehr Generationen von Winzern umfassende Tradition hat nicht nur das Gesicht der Landschaft geprägt (Weinberge), sondern auch – ähnlich der Bierkultur – eine eigene visuelle Sprache gefunden, vornehmlich auf den Etiketten der Flaschen, in denen der Wein an den Mann resp. die Frau gebracht werden soll. Zwar landet jeder gute Tropfen irgendwann im relativ neutralen Glas, aber zuvor muss unter anderem das Etikett auf der Flasche die »Zielgruppe« ansprechen – schließlich buhlen im Getränke- oder Supermarkt viele verschiedene Weine um die Gunst der Kunden. Und das nicht zuletzt in Würzburg, der Metropole »Weinfrankens«. (mehr …)

Zum Volkstrauertag – Verständnisprobleme für Denkmäler

Sonntag, 15. November 2009

Mit Denkmälern umzugehen, scheint eine echte intellektuelle Herausforderung zu sein. Jedenfalls sind die Schwierigkeiten, mit ihnen – wie ich finde – angemessen umzugehen, fast unüberwindlich. Deshalb sollen einige bei den Heuler’schen Denkmälern nochmals grundsätzlich zur Sprache gebracht werden. (mehr …)

Heilige Inkonsequenz

Freitag, 30. Oktober 2009

Würzburg und seine Vergangenheit

Erinnert sich noch jemand? Vor einigen Jahren hat der Stadtrat – eine Großtat in seiner Geschichte – der Carl-Diem-Halle ihren Namen aberkannt, nach erbitterten Auseinandersetzungen. Was wollte man damals nicht erst noch an neuen biographischen Forschungen abwarten, um herauszubekommen, ob und wie sehr Carl Diem ins Dritte Reich verstrickt war und die Aberkennung wirklich nötig sei. (mehr …)

Unerhört!

Montag, 26. Oktober 2009

Der Verschönerungsverein hat dem Stadtrat wegen der Genehmigung des Bruno-Werk’schen Bauvorhabens an der Spiegelstrasse Ignoranz, Geschichtsvergessenheit und Zerstörung der Stadt vorgeworfen. Der Oberbürgermeister Georg Rosenthal hat sich eine Kritik an der Entscheidung der gewählten Stadträte mit dem Vorwurf verbeten, sie sei unterirdisch. (mehr …)

Kompetenz, Dilettantismus und Anmaßung I

Montag, 26. Oktober 2009

Vor Jahren gab es in Würzburg den berühmten Baukunstbeirat, besetzt mit kompetenten Architekten und sonstigen Kennern aus der Stadt, die sich um Bauvorhaben und Stadtbild zu kümmern hatten. Warum und woran er damals gescheitert ist, weiß ich nicht mehr im Detail. Aber ich erinnere mich an eine denkwürdige Veranstaltung im Spitäle mit Stadträten und OB-Kandidaten vor der vorletzten Kommunalwahl, bei der einer der Kandidaten mit dem Brustton der Überzeugung meinte, der Beirat sei überflüssig, »Wir können das genauso gut allein«. Die Folgen sind bekannt. (mehr …)

Das unbekannte Erbe – der Wiederaufbau von Würzburg

Montag, 26. Oktober 2009

Viele Würzburger halten das Zentrum ihrer Stadt für alt. Sie nehmen nicht wahr, dass die Stadt innerhalb des Glacis, des ehemaligen Befestigungsringes, in kleinen Teilen rekonstruiert und in weiten Bereichen nach der Zerstörung am 16. März 1945 völlig neu errichtet worden ist. In den Ritualen des Gedenkens wird zwar regelmäßig auf die Katastrophe hingewiesen, der folgende Wiederaufbau aber kaum angesprochen. Staub und Patina an den Gebäuden und eine unübersehbare Verlotterung des öffentlichen Raumes stützen die Ansicht, zumal die Mehrheit der Bürger sich durch die Gnade ihrer späten Geburt kaum an die Jahre des Wiederaufbaus erinnern kann, immerhin sind seit der Bombardierung schon vierundsechzig Jahre vergangen. So stark die Zerstörungen das Bild der Stadt auch verändert haben, das unmittelbar folgende Ende des Krieges hat die Stadt davor bewahrt, in ganz anderer Weise durch den geplanten Ausbau zur Gauhauptstadt entstellt und vernichtet zu werden. (mehr …)

Notiz zu Kunst, Moral und Opportunismus

Freitag, 23. Oktober 2009

Kleinigkeiten zu Krampus’ Kommentar anlässlich Fried Heulers

Wollte man sich eine schnelle Übersicht über die Fragestellung in der Überschrift, zumindest über Kunst und Moral, verschaffen und hoffte auf Google, erlebte man eine herbe Enttäuschung: nicht weniger als 2,5 Millionen Einträge. Die Kombination mit Opportunismus ergibt zwar nur noch ein Hundertstel davon, für die Fundierung eines eigenen Artikels ist das immer noch zu deprimierend.

Also müssen wir uns selbstständig einen Weg durch diesen dschungelartigen Verhau bahnen und mit dem eigenen Kopf denken. (mehr …)

Der Heuleriade letzter Teil

Montag, 5. Oktober 2009

Analytisch-beschreibender Versuch zu einigen Werken Fried Heulers.

Die folgenden Blicke auf Werke Fried Heulers beziehen sich auf vier Bildwerke aus dem Zentrum Würzburgs – so kann jeder, der diese Aussagen überprüfen will, sich an die entsprechenden Plätze begeben.

Wir beginnen in der innersten Innenstadt, dem Lusamgärtchen und dem Platz vor der Paradepost … (mehr …)

»Heuleriade« – die Fortsetzung

Mittwoch, 30. September 2009

Die Auseinandersetzung muß aufgeteilt werden in einen praktischen Teil und einen grundsätzlichen, damit die Verzögerung nicht größer wird.

Auf dem Friedhof am 27. 9. 2009

Die Presse-Ankündigung hatte einen größeren Ansturm erwarten lassen – schließlich soll es sich bei Fried Heuler ja um einen »bedeutenden«, in der Zeitung dann zu »bekannten« herabgestuften Bildhauer handeln, und Stadträte wollten sich zu seiner Ehrung einfinden. (mehr …)

Eine »Heuleriade«

Samstag, 26. September 2009

Kranzniederlegung am Grab Fried Heulers am Sonntag, 27. 9. 2009 um 11 Uhr.

Für den Wahlsonntag hat das Oberbürgermeisteramt der Stadt Würzburg eine Kranzniederlegung zu Ehren des Bildhauers Fried Heuler durch den OB im Hauptfriedhof angekündigt. Dasselbe will der 2. Bürgermeister von Bad Kissingen tun, und viele Stadträte hätten ihr Kommen zugesagt. (mehr …)

Neues zum Wort mit »P«

Dienstag, 22. September 2009

Das ist doch auch ein Würzburger Alleinstellungsmerkmal: zuerst viel Wallung, danach Stille – sei es die »Provinz auf Weltniveau«, sei es die Erhöhung der Parkgebühren in der Innenstadt (wobei man bei letzteren sich ja nur moderat an das »Weltniveau« anzunähern versuchte: Wer einmal z. B. in Berlin am Potsdamer Platz Parkgebühren entrichtet hat, kann über hiesige nur schmunzeln …). (mehr …)

»Identitätsstiftung« vom Kiliansbrunnen herab

Sonntag, 16. August 2009

Während anderswo die Sommerlöcher vermessen und mit allem möglichen Müll gefüllt werden, sehen wir in Würzburg uns den großen, den bewegenden Themen gegenüber. Man weiß gar nicht, wo anfangen, wo aufhören. Ob das die »Bella Donna« als Beginn der Skulpturen-Promenade am Alten Hafen ist, ob die Einweihung des renovierten Neumünsters mit all seinen spektakulären Neuerungen (etwa der aus einem rotem Buntsandstein-Becken herauswachsende Cortenstahl-Kerzenhalter), ob die Wiedererrichtung des Kiliansbrunnens vor dem Bahnhof oder die heiße Diskussion eines Werbe-Slogans für die Stadt, ob das Fließen vieler Brunnen oder der Erfolg des Hafensommers  – überall gehen die Wogen hoch und die Kommentare von allen Seiten tief. (mehr …)

Vermarktungseskapaden

Donnerstag, 6. August 2009

Herbert Mehlers Kavex-Skulptur „»Bella Donna II«“ lädt Touristen zu Erweckungserlebnissen ein. Offener Brief.

Hallo Herbert Mehler,

vor deinen Skulpturen der Reihe Kavex hatte ich seit meinem ersten Kontakt großen Respekt. Stellst du damit dreimeterhohe Pflanzensamen oder monolithische Stelen aus anderer Welt dar? Oder beides? (mehr …)

Rosige Zeiten

Donnerstag, 30. Juli 2009

Am letzten Wochenende war es wieder so weit: die Fakultät Gestaltung präsentierte am Freitag und Samstag (24./25. Juli 2009) die Projekt- und Diplomarbeiten des vergangenen Semesters einer interessierten Öffentlichkeit. Es ist mühsam, hier Highlights herausstreichen zu wollen – kommen die Arbeiten doch aus so unterschiedlichen Bereichen wie Typografie, Illustration, Fotografie, Film/Video und Interface Design. Allerdings gab es diesmal eine Arbeit zu sehen, deren eindeutige Verortung zwischen schlitzohrigem Gimmick und Branchenkiller erst noch zu erfolgen hat. (mehr …)