Archiv für die Kategorie „Diskussion“

Die Gnade des frühen Baubeginns

Sonntag, 14. Juni 2009

oder: Schweinfurt und seine »Gottbegnadeten«

Glücklich die Zeiten, in denen man ohne Hintergedanken sich auf seine »Alten Meister« beziehen, ihrer gedenken und sie feiern konnte. Kein Fettnäpfchen, in das die Nachgeborenen hätten tappen können. Glücklich solche Zeiten.

Schweinfurt hat jetzt das Ernst-Sachs-Bad, gebaut 1931 bis 33, gestiftet von einer der großen Mäzenatenfamilien der Stadt – daher der Name –, wieder herrichten lassen, um es einer neuen Bestimmung zuzuführen, einer Galerie für moderne Kunst. Ein solches Unterfangen ist, für eine so kleine Stadt wie Schweinfurt, lobenswert, ja vorbildlich. Ein kleines Bedauern allerdings  stellt sich ein. (mehr …)

Nachtrag zum Kiliansbrunnen

Montag, 18. Mai 2009

Das muß ja was Größeres gewesen sein, diese Inthronisation der Kiliansstatue auf dem Brunnen vergangenen Freitag – leider hat mir eine Umleitung auf der Autobahn diesen gewiß begeisternden Anblick vorenthalten. Etwas später waren jedenfalls nur noch ein paar versprengte Zaungäste da. (mehr …)

Auf Flügeln des Gesangs: Kilian schwebt ein

Donnerstag, 14. Mai 2009

Pinocchio ist an allem schuld!

Der Provinzposse von Weltniveau anderer Teil

Würzburg hat einen neuen Aufschwung genommen. Der »Würzburger Orchestergrabenkrieg« (wie die FAZ titelte) ist fast ganz beerdigt, man kann die Nase wieder in die Luft strecken und sie sich um diese streichen lassen – wir befinden uns wieder in höheren, um nicht zu sagen ins Transzendente abdriftenden Gefilden: Kilian ist im Anflug – man bedenke seine künftige Höhenposition. (mehr …)

»Vergiß das Beste nicht«

Freitag, 8. Mai 2009

Notiz zur Eröffnungsveranstaltung zu Wiederaufbau und Wirtschaftswunder am 6. Mai 2009

Jeder Märchenleser kennt aus seiner Kinderzeit das Märchen von »Ali Baba und den 40 Räubern«. Die Märchentradition des Mittelmeerraumes bietet davon verschiedene Varianten; in einer Version haben die Eltern ihr Kind dabei, als sie die Räuberhöhle entdecken und die Räuber beklauen. Es spielt etwas abseits mit den Schmuckstücken, bei denen die Eltern sich bedienen und immer mehr hinausschleppen. (mehr …)

Wiederaufbau und Wirtschaftswunder

Freitag, 1. Mai 2009

Vor der Landesausstellung in der Residenz

Im Implantat: Das Barockschloss enthält eine Zeitblase der 1950er Jahre und ihrer Vorgeschichte, ab ’33. Hunderte von Exponaten werden in den nächsten Monaten die Aufmerksamkeit des Besuchers von der halluzinatorischen Raumstruktur in der Residenz ablenken. (mehr …)

LES YEUX DE LA TÊTE – FREAKSHOW abnormal

Dienstag, 28. April 2009

Ein Pleonasmus? Ja und Nein. Charlys Freakshow ist bekanntlich ein obdachloser Wanderzirkus, der – stillschweigend geduldet, sprich: ignoriert – mal im Cairo (Indie querbeet), mal im Immerhin (das leider den nächsten Winter wohl nicht mehr erleben wird), mal im B-Hof (Punk & dergl.) oder Omnibus (Senioren-Folk/Blues etc.) versucht, Provinz anders zu definieren. (mehr …)

Kiliansbrunnen nobilitiert!

Mittwoch, 1. April 2009

Kritik an Millionenrestaurierung entkräftet

Die nicht verstummende Kritik an der Luxusrestaurierung des Kiliansbrunnen hat einen herben Dämpfer erfahren. Wie aus dem Landesdenkmalamt in Bamberg zu erfahren war, hat sich die teure Arbeit gelohnt – einiges über 1 Million wird die Erneuerung des Brunnens kosten, die noch nicht vollständig finanziert ist –, und es wird die Ankündigung des Verschönerungsvereins bestätigt, der Brunnen sei bei der Erneuerung der Versinterung wie aus einem Jungbrunnen entstiegen. (mehr …)

St. Bruno deckt die Blößen zu

Montag, 23. März 2009

Viele deutlich sichtbare Lücken gibt es in der Innenstadt nicht mehr zu schließen. Eher ist man geneigt, nicht bis zum äußersten geschlossene Hausfluchten als Raum zum Atmen zu empfinden. (mehr …)

Freakshow again: UNIVERS ZERO im Cairo

Freitag, 20. März 2009

Der unglaublichste Songschreiber, den ich je gehört habe, schwärmte kürzlich Grandmaster Flash, als er nach 95 Jahren Strawinskis »Le Sacre du Printemps« entdeckt hatte. Im Hip-Hop machen wir fröhliche, wütende, traurige oder verliebte Nummern. Er aber steckt das alles in einen einzigen Song. Genau so ein Karussell der Gefühle, Strawinski reloaded als Rockband, hat seit über 30 Jahren den Namen Univers Zero. Die belgische Rock-in-Opposition-Kultformation um den Schlagzeuger Daniel Denis legte am 17. März 2009 auf dem Weg nach Linz und Prag einen Zwischenstop im Würzburger Kulturhaus Cairo ein. (mehr …)

Am Brunnen vor dem Tore, da reift ein Blütentraum

Dienstag, 24. Februar 2009

Der Kiliansbrunnen kommt. Im späten Frühjahr wird er auferstanden sein, verjüngt und mit Prothesen. Eine mächtige Brunnenstube, zweieinhalb Meter breit, 12 Meter lang, wird ihn mit Wasser speisen. Es wird zwar nur halb soviel sein wie früher, dafür ist  die Stube größer. Denn in Zukunft werden Pumpen das Wasser in einem ewigen Kreislauf fördern, in die Schalen spritzen, fallen lassen und wieder fördern. Ein Schelm, wer da an Symbolik denkt. (mehr …)

In dieser Gaudi ist der Wurm drin

Montag, 23. Februar 2009

Es gibt nicht allzu viele Momente, in denen ich mir wünsche, wieder in jenem Rhöndorf zu leben, in dem ich aufgewachsen bin. Der Würzburger Faschingsumzug aber gehört zu den jährlich wiederkehrenden Katalysatoren solcher Gedanken. (mehr …)

Gustav live

Dienstag, 28. Oktober 2008

Für alle, die Gustav beim Hafensommer verpasst haben, bietet sich eine neue Chance am Donnerstag, 13. 11. im Cairo, Würzburg. Einlass: 20:30, Beginn: 21:00, Eintritt: 5 Euro. Siehe auch unsere Kritik von Rigobert Dittmann

Aller guten Dinge sind drei …

Mittwoch, 8. Oktober 2008

… manchmal auch vier, wie die mittlerweile vierte Staffel von Dennis Schützes Live-Talkshow »My Favourite Tracks«. Eindrücke vom Eröffnungsabend.

Die Idee an sich scheint nicht sonderlich originell, und das Format ist – im TV – fast durchgängig unerträglich. Dennoch lädt der Würzburger Musiker und Träger des letztjährigen Kulturförderpreises der Stadt Würzburg, Dennis Schütze, zum vierten Mal zu seiner gut zweistündigen Live-Talkshow, die jeden ersten Dienstag im Monat im nächsten Halbjahr bis März stattfindet – und der Besuch lohnt. (mehr …)

Lauer Würzburger Theatersommer …

Montag, 1. September 2008

… allein der 2. Hafensommer hielt Kurs Richtung Niveau. Ein überarbeiteter* Beitrag zu einer nicht geführten Qualitäts-Debatte.

Heiß und aufregend sollte er werden, der meteorologische Sommer 2008. Lau und reichlich altbacken war dagegen der Würzburger Theatersommer 2008. Auch wenn im chronologischen Fortschreiten der Premierentermine zumindest eine graduelle Verbesserung sicht- und spürbar war. (mehr …)

Ein »landschaftlich schön gelegener Acker«

Mittwoch, 23. Juli 2008

Man müßte lachen, wenn die Lage nicht so ernst wäre: Eine Bürgerintiative gründet sich gegen einen Neubau auf bisher unbebautem Gebiet (sieht man vom Ackerbau ab, der hier – noch – fleißig praktiziert wird), wirft mit ein paar Schlagworten und vermeintlichen Fakten um sich (»landschaftlich schön gelegener Acker«, »Eingriff in das Naturidyll«, »mittels Gutachten weitgehend ausgeräumte Bedenken« etc.), präsentiert scheinbare Alternativen (Leightons, Leightons, Leightons – oder wahllos jedes andere leerstehende Gemäuer zwischen »Kalter Quelle« und »Schäfermühle«), geht sogar soweit, zu behaupten die Interessen der tatsächlich Betroffenen – der künftigen FH-Studenten – besser zu vertreten als die bauwillige FH selbst und ist dabei Nutznieser des Duftes des letzten Bürgerentscheids gegen die Arkaden am Bahnhof, des Duftes des Ungehorsams, des kritischen, mündigen, nicht erpressbaren Bürgers, der immer noch durch die Stadt weht. Nur wer genau hinriecht, merkt, daß das nicht der selbe Duft ist. Das hier riecht anders. (mehr …)

Offener Brief an den Vorstand des Verschönerungsvereins

Dienstag, 22. Juli 2008

von Berthold Kremmler, Gosbertsteige 2, 97082 Würzburg

zur Beilage der „Bürgerinitiative Alandsgrund“ zu den Vereinsnachrichten Nr. 45 vom Juli 2008
(Bürgerentscheid am 27.7.08 über den Neubau der FH)

Sehr geehrter Vorstand,

bei der Mitgliederversammlung des Verschönerungsvereins am 30.6. war beiläufig davon die Rede, daß der VVW die Bürgerinitiative unterstütze. Diese ideologische Schlagseite schien mir einer Diskussion nicht wert, da in diesem Rahmen folgenlos. Mit der Beilage des Faltblatts in den Vereinsnachrichten vom gestrigen Tag  ergreifen Sie laut und entschieden Partei.

Diese Ihre Festlegung darf nicht unwidersprochen bleiben. (mehr …)

Die Stadt der toten Brunnen

Freitag, 18. Juli 2008

Überall herrscht Überfluß. Waren, Bilder, Töne prasseln nieder. Sie reizen Nasen, Augen und Ohren. Versuchung allenthalben. Genuß und Kauf sind patriotische Taten, sind Bürgerpflicht; die Wirtschaft muß blühen. Und die folgsamen Lemminge ziehen von Event zu Event, von Konsumtempel zu Konsumtempel. Nirgends ist Ruhe, ist Einhalt, nirgends Erlösung. (mehr …)

Design im Alltag (3)

Dienstag, 15. Juli 2008

Diesmal: Fraktur – die gebrochene Schrift. Und: der Kiliansbrunnen (mal wieder).

Vermutlich ist die Zahl derer, die schon einmal eine Fraktur hatten, inzwischen größer als die derjenigen, die Fraktur noch lesen können. Wobei: Die eine oder andere Zeitung schmückt sich mit dieser Schriftvariante noch im Kopf (aber wer liest schon noch Zeitungen?), und an Wirtshausschildern sieht man sie auch immer wieder dann, wenn Zünftigkeit und Tradition vermittelt werden sollen (auch hier die Frage: Liest man überhaupt noch »Krone«, »Anker« oder sonstiges, oder wird man nur des Schriftbildes gewahr, das irgendwie »Essen und Trinken« verheißt?). Daß die Fraktur wegen des teilweise groben Unfugs, der mit ihr auch heute immer wieder mal getrieben wird, »gebrochene« Schrift heißt, wäre weit hergeholt. Aber betrachtet man die aktuellen Beispiele für Ihren Einsatz genauer, dann muß man schon schlucken – und die eine oder andere Träne wegwischen. (mehr …)

Gedanken beim Betrachten einer Ausstellung

Donnerstag, 26. Juni 2008

Blicke auf Würzburg: Positiv–Negativ, 20.5.-20.6.2008 
im Treffpunkt Architektur, Herrnstrasse 3, Würzburg.

Im Himmel über den griechischen Städten der Antike hauste ein Volk von Göttern, die alle, wirklich alle menschlichen Eigenschaften, Tugenden, Laster, Glück und Hass in sich trugen. Der oberste von ihnen, Göttervater Zeus, war ein besonderer Liederjahn. Seine höchste Lust  waren das Schleudern von Blitzen und das Verführen irdischer Mädchen, was seine Frau Hera ständig in rasende Eifersucht versetzte. Sie kennen die Sache mit Europa. Der Fall beschäftigt uns noch immer. (mehr …)

Design im Alltag (2)

Dienstag, 24. Juni 2008

Werbung und Typografie gehören zusammen wie Kain und Abel – nur daß es der Werbung trotz regelmäßigem Eindreschen auf die Typografie nicht gelingt, diese endgültig ins Jenseits zu befördern. Typografie ist zäh, und angesichts des folgenden möchte man sagen: Sie vermag nachzugeben, sich zu verbiegen, so gut es eben geht – wenn sie nicht schon mit grobem Vorsatz verbogen wird … (mehr …)

Würzburger Nüsse – taube und pralle II

Mittwoch, 11. Juni 2008

»… der Brunnen Übersteigung …« (der andere lyrische Brunnenheilige)

–  am Ende: der Kiliansbrunnen. 

»… denn alles, was entsteht,/
ist wert, daß es zugrunde geht;«
Mephisto (1339f. )

Jetzt haben wir ihn also endlich – nein, wir reden nicht vom Salat, sondern vom Auftrag des Stadtrats, den Kiliansbrunnen zu restaurieren, und zwar stante pede: nächstes Frühjahr soll er schon wieder in Amt und Würden stehen, nachdem er so viele Jahrzehnte hat darben müssen. (mehr …)

Love is the message

Dienstag, 10. Juni 2008

Eine Tagung in Siegen widmete sich 3 Tage lang den Medienamateuren

Wenn es noch eines letzten Signals bedurft hätte, daß die Diskussion um die Wirkung des Amateurschaffens, vor allem des medialen, auch im wissenschaftlichen Diskurs angekommen ist: am ersten Wochenende im Juni war es soweit. Die Universität Siegen, genauer der Lehrstuhl für Mediengeschichte unter Prof. Dr. Susanne Regener, hat zur ersten Tagung »Medienamateure – wie Laien unsere visuelle Kultur verändern« eingeladen. Und viele kamen – über 20 ReferentInnen, die meisten aus dem Hochschulbereich, beleuchteten und diskutierten drei Tage lang im Siegener Museum für Gegenwartskunst gut 100 Jahre Amateurschaffens – vom urbanen Straßenknipser zu Beginn des 20. Jahrhunderts über fotografierende Arbeiter oder SS-Männer, Schmalfilm-Amateure in West- und Ostdeutschland oder Videoamateure in Österreich bis hin zu aktuellen Darstellungs- und Medienformen in den social networks oder Amateur-Pornoseiten des Web 2.0. (mehr …)

Würzburger Nüsse – taube und pralle I

Donnerstag, 5. Juni 2008

Architektur in der Stadt

Es hat manchmal etwas Wundersames, wie  dieser oder jener in unserer Stadt sein Mütchen kühlen möchte im Umgang mit Kunst, Architektur und Denkmälern. Doch ist es nicht ohne eine gewisse Folgerichtigkeit. (mehr …)

Design im Alltag (1)

Dienstag, 3. Juni 2008

Das hat er gut gemacht, der Marco Schneider: nicht nur die Würzburger Öffentlichkeit mit dem Umstand verblüfft, daß auf dem Plakat eines SPD-Politikers nun auch wieder das SPD-Logo zu sehen ist (von der OB-Stichwahl war man ja zwischenzeitlich anderes gewöhnt). Nein, auch das plakatierte Motto wirkt in seiner Klarheit und Offenheit ansprechend: »was ich für sie im landtag erreichen will« – kein alltägliches Politphrasengedresche, sondern die offene Einladung zum Dialog, die Bereitschaft, Rede und Antwort zu stehen.

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Würzburgs Schönheiten

Mittwoch, 28. Mai 2008

Eine Ausstellung im Architekturtreff in der Herrenstraße.

Das war lange überfällig: daß Liebhaber der Stadt ihre Lieblingsplätze der Öffentlichkeit kundtun, damit jedermann substantielle Gründe für seine Liebe zu Würzburg vor Augen gestellt bekommt. Da werden die Motive zusammengestellt, die die Photographen lieben und ihren Freunden so gerne in farbigen Photos vorführen oder zumailen, all die schönen Plätze und Mülleimerkompositionen, all die wunderbaren sprudelnden Brunnen, die niedlichen Parkplätze mit den süßen Autochen drauf, und was der Köstlichkeiten mehr sind. (mehr …)